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Sebastian Rüger und Frank Smilgies (rechts) sind Ulan & Bator. Foto: Seibel
Sebastian Rüger und Frank Smilgies (rechts) sind Ulan & Bator. Foto: Seibel
02.03.2018

Comedy-Duo Ulan & Bator schräg und gaga im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Der Wahnsinn versteckt sich unter zwei geringelten Bommelmützen. Bitte Antreten zur dadaistischen Gehirnwäsche: „Warum kann man Ohren sehen, aber Augen nicht hören? Früher wusste ich nicht wohin mit meinen Händen, heute lasse ich Sie an den Armen. Auf dem Mond, da gibt es Parkplatz ohne Ende. Die Schnick-Schnack-Schnuck-Krise hät die Welt in Atem.“ Aber vor allem: „Im Kühlschrank sitzt ein Zwerg aus Käse.“

Der Wahnsinn springt über, bricht sich Bahn, in stakkatohafter Kakophonie von Ulan & Bator, dem Theaterduo, bestehend aus Sebastian Rüger und Frank Smilgies. Ihre Bühne ist das Kulturhaus Osterfeld. Und es scheint aussichtslos: „Eine Verletzung religiöser Gefühle. Die Demokratie muss das aushalten. Ein infamer Angriffspakt auf unseren Wertekanon.“ Zweifellos. „An dieser Stelle ist der Rubikon überschritten.“ Da kann man nur noch die Waffen strecken. Auch die Fukushima-Socke schützt nicht mehr vor der Kernschmelze. Keine Zeit, Luft zu holen, auch nicht fürs Publikum.

Die dadaistische Wortakrobatik kennt keine Grenzen: „Willkommen beim Phrasenbeton“ heißt es beim literarischen Gespräch über das Buch „Das Monokel des Zyklopen“. Der Auto selbst ist ein „Hochkulturgast“, hat sein schriftstellerisches Können längst unter Beweis gestellt im Kinderroman „Frosty, der kleine Beduine“. Jetzt aber rüber ins erotische Fach, muss sein, „sex sells“, auch da gibt’s bereits prosaische Machwerke unter den Titeln „Die Scham der Schamanin“, „Gallseife auf meiner Haut“ und, Achtung, nicht jugendfrei: „Im Delta der Raute“. Und immer wieder Drohnen füttern zwischendurch. Im Park. Mit Daten.

Aber der neueste, „heißeste Scheiß“: Heckler und Koch, die beiden Geschwister da drüben, kein Zweifel. Dies ist aber nur ein kurzer Exkurs in unbeschwingte Heiterkeit, der nicht davon ablenken kann, dass der Todkranke seine Leber im Supermarkt versetzt hat für eine Hafenrundfahrt in Hamburg, seinen Lebenstraum. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Unabwendbare Eskalation

Die Situation spitzt sich zu, die Eskalation ist unabwendbar, ja, man muss sagen, die Lage ist hoffnungslos: „Wir müssen reden! Lassen die Kinder aus dem Spiel! Es muss wie ein Unfall aussehen! Glauben Sie etwa, ich tue das gerne? Tun Sie, was er sagt! Hier kann Sie keiner hören!“ Kein Ausweg in Sicht. Oder doch? Nein! Doch! Abwärts! Ein Lied, fröhlich angestimmt: „Wir sind zu viele, drum trag was bei. Folge uns zum Lemminge-Kai.“ Für Ulan & Bator ist klar: „Hier gibt es nichts mehr für uns zu tun.“