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Markencheck zum Thema Religion: Mit der Bibel in der Hand lässt Wirbitzky (rechts) den Kollegen Zeus alt aussehen.
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Verbaler Schlagabtausch: Zeus (links) und Wirbitzky diskutieren über Fernsehprogramm, Internet-Sternchen und Kochshows. Roller
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Wirbitzky als nörgelnde Biofanatikerin (links) hält Hobbykoch Zeus auf Trab.
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14.03.2016

Comedy-Duo Zeus und Wirbitzky bringt Publikum im CCP zum Lachen

Neu und innovativ ist es nicht gerade. Feinsinnig auch nicht unbedingt. Dafür aber von Anfang bis Ende rund anderthalb Stunden lang ziemlich lustig. Was die Comedians Sascha Zeus und Michael Wirbitzky im Pforzheimer Congress-Centrum am Samstagabend kredenzen, hat mit einem klassischen Stand-up-Programm wenig zu tun.

Die beiden Radiomoderatoren „mit der Lizenz zum Lachen“, wie sie eingangs in klischeehafter James-Bond-Manier betonen, schleudern lässig ihre derb-frechen Gags ins Publikum, das zwischen Lachen und betretenem Schweigen hin- und hergerissen ist.

„Singende Sagrotan-Sirene“

Dürfen die das? Sich über Muslime und Christen lustig machen, sämtliche 15-Jährige zur „Generation Pickel“ erklären, Helene Fischer als „singende Sagrotan-Sirene“ titulieren, den Genderwahnsinn anprangern und sich über blonde Gören aufregen, die im Internet Schminktipps für „Menschen mit trockenen Lippen und Hackfressen“ geben? Egal. Sie tun es einfach. Keiner ist wirklich vor den beiden sicher, jeder kriegt hemmungslos sein Fett weg. Zum Beispiel Fernsehköche, von denen es ihrer Meinung nach sowieso deutlich zu viele gibt. Dem einen oder anderen wünschen sie daher ironisch einen langsamen, qualvollen Tod – bei Niedrigtemperatur versteht sich. Und falls doch mal einer der Köche den Löffel abgeben sollte, stünde bestimmt schon der nächste bereit, um „ein bissle Ingwer drüber“ zu reiben.

Da stellt sich doch zwangsläufig die Frage: „In welcher Welt leben wir eigentlich?“ Wenn es nach Zeus und Wirbitzky geht, in einer, in der ein fast schon krankhafter Selfie-Wahn grassiert, politische Korrektheit wild um sich greift, jeder immer erreichbar ist und alles im Internet postet. Am liebsten regen sie sich aber über zu teure Bioprodukte, Vegetarier und Veganer auf, nur um dann halb erschrocken, halb ernüchtert festzustellen: „Wenn das so weitergeht, dann stehen wir alle bald mit unserer Bratwurst draußen bei den Rauchern.“

Gekonnt halten die beiden so der Gesellschaft immer wieder den humoristischen Spiegel der Satire vor, provozieren, ohne die Grenze zur Beleidigung zu überschreiten und übertreiben oft maßlos, um das eigentlich Offensichtliche zu entlarven. Dabei sind sie sich für nichts zu schade, schlüpfen in Windeseile vom einen ulkigen Kostüm in ein noch dämlicheres, setzen sich diverse Perücken und Hüte auf den Kopf, spielen Sketche zu absurden Themen und entdecken wahre Poesie an Stellen, wo man sie gar nicht vermutet hätte.

So betritt Sascha Zeus im knallpinken Ballerina-Tutu die Bühne, verkleidet sich als Rindvieh und bietet im schauerlich knappen Borat-Badeanzug ein Bild, das wohl nicht allzu schnell wieder aus den Köpfen der Zuschauer verschwinden wird. Wenn die beiden einmal angefangen haben, gibt es keine Grenzen mehr. Zum Beispiel, wenn sie sich über das Fernsehprogramm echauffieren. Läuft ja sowieso nichts Gescheites. Außer vielleicht das Dschungelcamp mit XYZ-Promis, Dokus zu Deutschlands Osten mit dem vielsagenden Titel „Grüne Täler und braune Glatzen“ und Topmodel-Sendungen mit Frauen so dünn, dass man sie unter der Tür durchschieben kann.

Nörgelnder Peter Gedöns

Ordentlich was zu meckern hat auch der notorische Nörgler Peter Gedöns. Eine Kunstfigur, verkörpert von Sascha Zeus, bei der sich nicht nur Kollege Michael Wirbitzky, sondern auch das Pforzheimer Publikum warm anziehen muss, um die verbalen Attacken zu ertragen. Deutlich freundlicher geht es da bei der für ihre Versprecher bekannten Kathrin Vierthaler zu, die völlig unabsichtlich im Minutentakt provokante Äußerungen gepaart mit steilen Thesen apodiktisch von sich gibt und alle möglichen und unmöglichen Zusammenhänge konstruiert. Beispiel Geschichte: „Der Moses hat sich in Ägypten ausgezogen und die roten Khmer zerteilt.“ Einen roten Faden sucht man bei alledem vergebens, ebenso wie ein erkennbares Konzept. Und auch wenn die einzelnen Nummern fast schon lieblos aneinandergereiht wirken und aus SWR3 hinreichend bekannt sein dürften, so verfehlen sie die intendierte Wirkung nicht: Am Ende klatscht das Publikum so lange stürmischen Beifall, bis drei Zugaben gegeben sind und Old Plapperhand mit seinem weiß-blauen Bruder auf Pferdestöcken in den Sonnenuntergang geritten ist.