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Ursula Schoch
Ursula Schoch
13.09.2016

Concertgebouw-Solisten haben Freude an der Kammermusik

Mühlacker-Lienzingen. Man spürt beim Zuhören, dass es der Konzertmeisterin Ursula Schoch (Violine) und den anderen Solisten – Emi Ohi Resnick (Violine), Roland Krämer und Vilem Kijonka (Viola) sowie Fred Edelen (Cello) – vom Concertgebouw-Orchester Amsterdam Spaß macht, abseits der Orchester-Routine kammermusikalisch aufzutreten.

Profitieren durfte davon Peter Wallingers „Musikalischer Sommer“ in Lienzingen, der mit einem erfrischenden Sonntags-Matinée-Konzert die Besucher erfreute.

Überaus passend zum sommerdurchfluteten Frauenkirchen-Ambiente spielte das Ensemble zunächst Wolfgang Amadeus Mozarts zwar komplexes, aber heiteres Streichquintett in D-Dur. Den ersten Satz leitete ein zärtlicher Larghetto-Teil ein, danach ging es im Allegro-Abschnitt mit punktierten Skalen und betonten Synkopen temperamentvoll zur Sache. Den folgenden Adagio-Satz statteten die Interpreten mit himmlisch singenden Melodien der Geigen und Bratschen aus. Das leicht einsetzende Menuett sorgte in seinem Mittelteil beim Forte aller Instrumente für klangliche Härten – um dann graziös auszuschwingen. Technische Perfektion ist in dieser Spielklasse selbstverständlich. Eine andere Frage bleibt die gestalterische Geschlossenheit. Die Solisten lösten auch diese Aufgabe blendend. Denn ihre Wiedergabe von Johannes Brahms’ Streichquintett in G-Dur bestimmte ein nicht enden wollendes gemeinschaftliches Singen, aus dem immer wieder einzelne Instrumente mit stimmungsvollen Kantilenen hervortraten. Im ersten Satz leuchtete die aus der Tiefe aufsteigende Violoncello-Stimme, im „Adagio“ sehnsüchtig eine Bratsche. Schwerelos anmutiges Schweben schmeichelte den Ohren im dritten Satz, ungarisches Kolorit im Finale. Brahms liebte die Sommerfrische in schöner Gegend, am Starnberger See oder in Baden-Baden oder Bad Ischl. Die Lienzinger Matinée lieferte einen klingenden Kommentar dazu.