760_0900_107817_OetisheimEnsembleCaladrius.jpg
Das Ensemble Caladrius eröffnet die Concerto-Reihe in Ötisheim.  Foto: Fotomoment 

Concerto-Reihe in Ötisheim: Musikalischer Streifzug durch Europas Schlösser

Ötisheim. In den „königlichen Gärten von Aranjuez“ lässt Schiller sein „Don Karlos“-Drama beginnen und beschreibt Orangen-Alleen und springende Wasser. „Ländliche Musik von Flöten“ ist zu hören, auch munterer Vogelgesang und Insektengesumm. Solch heitere Garten-Szenerien erblühen musikalisch im lautmalerischen Spiel des Caladrius Ensembles aus München, das Peter Wallingers Concerto-Reihe in der historischen Kelter in Ötisheim eröffnet.

Mit Blockflöten (Sofia Schambeck), Theorbe, Laute und Barockgitarre (Jacopo Sabina), Violone (Mariona Mateu Carles) und Cembalo (Georg Staudacher) entführt das Quartett in „El Jardin de Aranjuez con diversos cantos de páxaros y otros animales“, einer Komposition des Madrider Barockmeisters José Herrando Yago (1720-1763). Jugendlich temperamentvoll zwitschert die Piccolo-Flöte zwischen rasanten Trillerketten, im Andante singt eine Barockflöte über der Bassgrundierung der anderen Instrumente mit feiner Melancholie.

Dynamik, facettenreiche Klangfarben und Freude zeichnet die Musikinterpretationen beim Streifzug durch Europas höfische Parks und Schlösser – und darin gefeierte Feste – insgesamt aus. In Versailles erfreuen die „Concerts Royaux“ von François Couperin (1668-1733), teils mit getragen weicher Bassflöte, teils mit jubilierender Sopranblockflöte. Venedig ist mit den „Ottava sonata a doi“ des jung verstorbenen Dario Castello (1602-1631) vertreten. Leipzig mit Johann Sebastian Bachs weinselig punktierter Aria „Unser trefflicher Kammerherr“ (BWV 212). Lyrisch zart klingen verschiedene Flöten nochmals aus Versailles herüber, in „Le Papillon“ von der für ihre Kunst sogar von Ludwig 14. gelobten Komponis-tin Anne Danican Philidor (1674-1728). Natürlich ist aus Venedig auch Girolamo Frescobaldi (1583-1643) mit farbenprächtiger „Canzona“ zu vernehmen, die die Stimmführerschaft in herrli-chen Melodiebögen der Violone überlassen. Und aus Neapel meldet sich Andrea Falconieri (1585-1656) mit Passagen aus „Il Primo Libro di Canzone“ zu Wort. Das Cembalo entfaltet in der Suite a-Moll von Elisabeth Jacquet (1665-1729) mit seinen Silbersaiten wirbelndes Arpeggio-Feuer. Abschließend zelebrieren die vier Instrumentalisten ein launiges Stück aus „The Division Flute“ des eigenwilligen Komponisten und fanatischen Londoner Quäkers Simon Eccles (1618-1683). Das Publikum ist begeistert.