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Großes Aufgebot: Maulbronner Kammerchor, Daimler Big Band und Solistin Margareta Bengtson musizieren unter der Leitung von Benjamin Hartmann.  Frommer
Großes Aufgebot: Maulbronner Kammerchor, Daimler Big Band und Solistin Margareta Bengtson musizieren unter der Leitung von Benjamin Hartmann. Frommer
22.11.2017

Da spielen selbst die Kirchenglocken mit - „Sacred Concert“ der Swing-Legende Duke Ellington aufgeführt

Stehende Ovationen sind bei Kirchenkonzerten eher selten. Ebenso große Jazz-Bands mit mehrfach besetzten Blasinstrumenten – und erst recht: Schlagzeug-Soli.

Das „Sacred Concert“ der Swing-Legende Duke Ellington (1899–1974) schafft diese Fusion zwischen amerikanischem Jazz und der religiösen Musik Europas mit geradezu spielerischer Leichtigkeit – bereits seit der Uraufführung im September 1965. Am Samstagabend stand nun die Herz-Jesu-Kirche in Mühlacker ganz im Zeichen von Ellingtons, nach eigener Einschätzung, wichtigstem Werk.

Um es vorwegzunehmen, die Konzertbesucher in Mühlacker honorierten die Leistung der schwedischen Sopranistin Margareta Bengtson, der 17-köpfigen Daimler Big Band und des (an diesem Abend) 34 Mitglieder zählenden Maulbronner Kammerchors unter der Gesamtleitung von Benjamin Hartmann immer wieder mit spontanem Beifall und gegen Ende sogar mit stehendem Applaus. Zumal Dekan Claus Schmidt in seiner Anmoderation ausdrücklich dazu ermuntert hatte: „Das Kirchenkonzert dieses Jahres hat eine ganz besondere Klangfarbe. Applaus ist beim Jazz immer willkommen! Sie müssen damit nicht bis ans Konzertende warten.“

Gesagt, getan: Tatsächlich wurde schon Trompeter Andreas Metzger beim, dem „Sacred Concert“ quasi als Einleitung vorgeschalteten Titel „Mood Indigo“ für sein Solo gefeiert. Ähnlichen Anklang fanden Carsten Pöschkes Saxofon-Solo zu „Heaven“ und das Trompeten-Solo von Ulf Schmidt zu „The Shepherd“.

Gerhard Noltes synkopiertes Piano, die gestochen scharfen Bläser Fill-Ins und die exakten Rhythmuswechsel der Big Band, deren Mitglieder tatsächlich alle Werksangehörige sind, die ungemein kraftvolle Performance des gemischten Kammerchors aus Maulbronn und die fünf lautmalerisch und getragen angelegten Gesangsparts von Margareta Bengtson sorgten für eine Serie weiterer Höhepunkte und ebenfalls für viel Beifall.

Auch das Perkussions- und Schlagzeugsolo von Uwe Mattes wurde von den Konzertbesuchern mit großem Applaus bedacht. Als Zugabe spielten alle Musiker, Solisten und Choristen eine finale Reprise von „Praise God And Dance“. Das Sahnehäubchen: Die Kirchenglocken, auf deren Geläut Dekan Schmidt eingangs des Konzerts hingewiesen hatte, erklangen auch beim Verlassen der Herz-Jesu-Kirche gegen 20.30 Uhr – sie schlossen den Kreis nach mehr als zwei Stunden swingendem Jazz.