760_0900_134861_97010432.jpg
War im August als Solistin der Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko bei den Salzburger Festspielen und kommt nun auf Einladung von Generalmusikdirektor Robin Davis ins CCP: Anna Vinnitskaya.  Foto: picture alliance / Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa | Oliver Killig 

„Da spüre ich heimatliche Gefühle“ - zweifache Echo-Preisträgerin Anna Vinnitskaya im PZ-Interview

Pforzheim, Unter dem Titel „Ewige Jugend“ präsentieren Generalmusikdirektor Robin Davis und die Badische Philharmonie Pforzheim an diesem Sonntag, 5. Dezember, 19 Uhr, im CongressCentrum Pforzheim Frühwerke von Sergei Prokofjew und Sergei Rachmaninow sowie die letzte Sinfonie des jung verstorbenen Franz Schubert. Als Solistin für Rachmaninows Klavierkonzert in fis-Moll konnte Robin Davis die zweifache Echo-Preisträgerin Anna Vinnitskaya gewinnen. Die russische Starpianistin nahm sich für das Interview mit der „Pforzheimer Zeitung“ in Luzern Zeit, wo Sie Rachmaninows zweitem Klavierkonzert spielt.

PZ: Frau Vinnitskaya, Ihr Konzertkalender ist voll. Wie sieht Ihre Vorbereitung auf einen unbekannten Raum, ein neues Orchester, eine fremde musikalische Leitung aus?

Anna Vinnitskaya: Wir Pianisten müssen uns jedes Mal auf ein neues Instrument einstellen. Natürlich ist es einfacher, wenn man ein Orchester oder einen Dirigenten schon kennt. Vor der ersten Probe gibt es in der Regel eine Verständigungsprobe nur zwischen mir und dem Dirigenten. Der Rest ergibt sich dann während des gemeinsamen Musizierens, darauf kann man sich schlecht vorbereiten.

Am 5. Dezember werden Sie erstmals in Pforzheim zu Gast sein und gemeinsam mit der Badischen Philharmonie unter der Leitung von Robin Davis Rachmaninows 1. Klavierkonzert spielen. Dieses Stück wird sehr selten gespielt. Wie erklären Sie sich das?

Das erste Konzert hat viele Einflüsse von Debussy, Grieg, Liszt. Rachmaninow sucht dort noch nach seinem persönlichen Stil, würde ich sagen. Es wird vielleicht nicht so oft gespielt, weil es eben noch nicht ‚Rachmaninow-pur‘ ist. Aber es ist ein schönes romantisches Konzert.

Vor allem Rachmaninows Klavierkonzerte spielen Sie europaweit immer wieder. Wie halten Sie sich Rachmaninow eigentlich frisch?

Rachmaninows Musik hält mich frisch. Ich spiele jedes Mal ein bisschen anders. Wenn ich Rachmaninow spüre, dann spüre ich gewissermaßen heimatliche Gefühle. Bei keinem anderen Komponisten ist das so stark. Seine Melodik beschreibt unsere Natur, zumindest empfinde ich das so. Vielleicht besonders die russische Natur und Landschaft.

Rachmaninow ist der einzige Allrounder seiner Generation, von dem wir selbst eingespielte Tonaufnahmen hören können. Was bedeutet das für Sie als Interpretin seiner Musik?

Wir Pianisten können uns sehr glücklich schätzen, dass wir diese Aufnahmen von Rachmaninow haben. Seine Aufnahmen finde ich sozusagen ‚vorbildlich‘. Es wird klar, wie klassisch er denkt und dass er komplett ohne übertriebene Rubati auskommt, wodurch die Musik banaler würde. Rachmaninows Umgang mit dem Rubato ist einzigartig (Anmerkung der Redaktion: Rubato oder tempo rubato ist eine Bezeichnung, die dafür steht, dass man das Tempo und den Ausdruck der Musik frei variieren darf).

Das zweite Sinfoniekonzert „Ewige Jugend“ der Badischen Philharmonie beginnt am Sonntag, 5. Dezember, 19 Uhr, im CCP, mit einer Einführung von Robin Davis im Foyer zum Mittleren Saal um 18 Uhr. Infos, Karten sowie die aktuellen Besucherregeln im Internet: www.theater-pforzheim.de