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Perfekte Harmonie: Dan Crary (links) und Beppe Gambetta. Frommer 

Dan Crary und Beppe Gambetta im Folkclub Prisma: Das Duo mit den extrem schnellen Fingern

Jeder der beiden ist ein begnadeter Solokünstler – gemeinsam im Konzert sind sie eine Wucht: Die Gitarristen Dan Crary (Kalifornien) und Beppe Gambetta (Genua) gastieren erstmals seit 1994 wieder als Duo beim Folkclub Prisma – diesmal begeistern sie mit ihrem rasanten Flatpicking knapp 70 Zuhörer im Gasometer.

Diese traditionelle Spieltechnik stammt aus den Vereinigten Staaten; ihr Namen geht auf die angloamerikanische Bezeichnung des stilprägenden Plektrums („Flatpick“) zurück. Crary (80) und Gambetta (65) sind Meister dieses Genres und reisen mit kleinem Gepäck: Die mitgeführte Technik ihrer Tournee erschöpft sich mit zwei Kapodastern. „Und ein paar Ersatzsaiten in den Hosentaschen“, flachst Dan Crary: „Beppe hält den Weltrekord beim Wechseln gerissener Saiten.“

Vergnügt lässt er das Publikum teilhaben, an einem weit zurückliegenden Konzert des ungleichen Duos im englischen Bath, bei dem Beppe einmal keine Ersatzsaite griffbereit hatte und eilig von der Bühne spurtete. „Ich habe bravourös die Stellung gehalten, fünfmal verbissen ,Soldiers Joy’ gespielt, dann kommt Senõr endlich zurück, fädelt die neue Saite ein – und raten Sie mal, wer den ganzen Applaus bekommen hat.“

Beim rundum gelungenen Konzertabend auf der Prisma-Bühne werden jedoch keine Saiten geschreddert – und beide Gitarristen zeigen sich als sehr gutes Gespann: Der Südländer und der oftmals verschmitzt, aber immer cool wirkende Professor (seit 1974 lehrt Crary an der California State University) harmonieren bestens. Mehr noch: Sie zelebrieren, teils in atemberaubender Geschwindigkeit, technisch anspruchsvolle Klassiker wie „Stories We Can Tell“, (1974 von John Sebastian veröffentlicht), „Jimmy Brown And The Newsboy“ (1929 von der Carter-Family aufgenommen) oder würdigen große US-Flatpicker, beispielsweise mit ihrem „Doc-Watson-Medley“. Natürlich trägt Gambetta auch in jedem Set je einen Titel italienischer Herkunft vor. Beim Song „Lasagne quattro tucci“ bringt der das Publikum zum Mitsingen, bei der instrumental dargebotenen Mazurka „Iride“ schlicht zum Staunen. Auch Crary zelebriert auf der Zielgerade des Konzerts ein, zwei Soli, darunter eine Gitarrenversion von „Huckleberry Hornpipe“, einem Instrumental des Fiddle-Allstars Byron Berline (geboren 1944), der, wie er selbst aus Kansas stammt.

Mit Mozarts „Rondo alla Turca“, einer Zugabe und einem Trinkspruch auf die gemeinsam zurückgelegte Wegstrecke, klingt der denkwürdige Prisma-Auftritt von Dan Crary und Beppe Gambetta aus.