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Freuen sich über das neue Buch (von links): Landrat Karl Röckinger, Kunsthistorikerin Regina Fischer und Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw.  Ketterl
Freuen sich über das neue Buch (von links): Landrat Karl Röckinger, Kunsthistorikerin Regina Fischer und Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. Ketterl
06.12.2017

Das Erbe eines kunstsinnigen Landrats

Ein bisschen sentimental ist Karl Röckinger an diesem Montagabend. „Es ist die letzte Ausstellung, die ich in meiner Funktion als Landrat eröffne.“ Er sagt dies mit Bedauern, aber auch mit Stolz und Freude. „Weil mir mit dieser hochkarätigen Ausstellung und der Vorstellung dieses tollen Buches ein so würdiger Abschluss vergönnt ist.“

Das Buch mit dem nüchternen Titel „Profil einer Sammlung 2“ dokumentiert sozusagen sein Erbe. Es zeigt, was Röckinger in den vergangenen Jahren angekauft hat. Der Band erscheint 14 Jahre nach dem ersten gleichnamigen Katalog zur Kunstsammlung des Enzkreises. Bald nach dessen Gründung 1973 hatte der damalige Landrat Heinz Reichert mit ersten Kunst-am-Bau-Projekten den Grundstein für das kulturpolitische Engagement des Enzkreises gelegt. Werner Burckhardt und Röckinger bauten die Sammlung aus. Dies ermögliche ein jährlicher Einkaufsetat, „den der Kreistag auch in schwierigen Zeiten bewilligte“, betont Röckinger. Bei der Auswahl unterstützte ihn die Kunsthistorikerin Regina Fischer. „Aus einer Vorschlagsliste von acht bis zehn Künstlern wurden in der Regel zwei ausgewählt, zu denen wir ins Atelier gingen“, beschreibt Fischer das Vorgehen. Auch zwei Ausstellungen wurden pro Jahr realisiert.

Wenn ambitionierte Neuerwerbungen anstehen, unterstützt die Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw und stellt die Arbeiten als Dauerleihgabe zur Verfügung. „Wir wollen Kunst im öffentlichen Raum sichtbar machen und die Attraktivität der Region fördern“, sagt Sparkassenchef Stephan Scholl.

Entstanden ist eine heterogene, aber dichte Sammlung zeitgenössisch-moderner Kunst nach 1945 von einer Qualität, die sich sehen lassen kann. Sie deckt von Skulpturen – hauptsächlich zu sehen vor dem Haupteingang des Amtes – und Malerei bis zur Fotografie nahezu sämtliche Gattungen ab.

Damals wie heute gibt es drei Schwerpunkte: Arbeiten von Kreativen aus Pforzheim und dem Enzkreis, Werke von Professoren und Lehrbeauftragten der Fakultät für Gestaltung sowie ein Blick über den Tellerrand mit Kunst des Südwestens und aus Partnerregionen.

Die Sammlung vereint prominente Namen wie Gerlinde Beck, Abraham David Christian, Peter Jacobi, Werner Pokorny, Robert Schad, Manfred Mohr, René Dantes und Camill Leberer. Manche Künstler wurden über Jahre konsequent beobachtet. Aber das Buch zeigt auch, wie wichtig der Enzkreis das Fördern aufstrebender junger Talente wie Manuel Knapp, Manuela Tirler oder Janusz Czech nimmt. Einiges davon zeigt nun die Ausstellung im Landratsamt – in das immer mehr Leute, so Röckinger, „nicht nur kommen, um den passenden Sachbearbeiter und das richtige Büro zu finden. Sondern auch wegen der Kunst“.