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Käpt’n Bone (Eric Ander, Zweiter von rechts) kann es einfach nicht lassen. Immer wenn er spricht, kommt ein Fluch über seine Lippen. Foto: Bode
Käpt’n Bone (Eric Ander, Zweiter von rechts) kann es einfach nicht lassen. Immer wenn er spricht, kommt ein Fluch über seine Lippen. Foto: Bode
28.10.2016

Das Festspielhaus Baden-Baden zeigt eine lustige Kinderoper

Pforzheim. Auf Kinder lösen Piraten einfach eine Faszination aus. Weil sie gesetzlose Räuber sind? Wohl kaum. Es ist wahrscheinlich eher die raubeinige Abenteuerlust, die fasziniert. Das macht sich auch die Kinderoper „Käpt’n Bone“ zunutze, die gerade im Festspielhaus Baden-Baden auf dem Spielplan steht – und die einige Familien aus der Region kostenlos erleben durften. Möglich gemacht wurde dieser Ausflug durch das Festspielhaus Baden-Baden – und die Pforzheimer Jakob-und-Rosa-Esslinger-Stiftung.

Bevor das Abenteuer auf den Sieben Meeren im Fokus stand, galt es, das Abenteuer der eigenen Anreise zu meistern. Kurz vor dem Ziel stoppte ein Lastwagen-Unfall die Gruppe auf der Autobahn. So ging es aber auch den anderen Zuschauern. Das Festspielhaus reagierte auf die Vollsperrung mit einem verzögerten Beginn der Aufführung.

Naturalistische Ausstattung

Umso neugieriger konnten also die Kinder die Geschichte verfolgen, die auf Rossinis Oper „Die Italienerin in Algier“ beruht – aber doch einen ganz eigenen Ansatz verfolgt. Das nordafrikanische Milieu der Vorlage ist feinster Piratenoptik gewichen. Ein Schiff pflügt wuchtig als Kulisse durch die Wellen. Hier dürfen Kinder und Erwachsene sich an der reichhaltigen Ausstattung erfreuen, die alle Insignien des Piratenstandes bereithält: Naturalismus, ohne den eine solche Adaption für Kinder nicht funktionieren würde. Käpt’n Bone (Eric Ander) ist ein waschechter Seeräuber: mit Holzbein, Säbelgeklirr und Rauflust – und er ist mit Manieren gesegnet, die alles andere als eine gute Kinderstube verraten. Genau das ist das Problem.

Ein Familienfluch zwingt ihn zum Fluchen. Kaum ein Satz gelingt ihm ohne Schimpfwort. Doch Frauen betört man so nicht. Isabella (Deniz Uzun) spielt mit Bones Schwäche. Sie ist zusammen mit ihrem Verlobten (Conny Thimander) auf dem Schiff gefangen. Bone begehrt sie. Und die barocke Schöne lässt durchblicken: Wenn der Seeräuber sich am Riemen reißt, nicht mehr dauernd flucht und zetert und spuckt. Nur dann öffnet sie ihm vielleicht ihr Herz. Würde sie in Wahrheit zwar nie; aber Bone beißt trotzdem an. Ziemlich schwierig ist so ein Benimmunterricht, wenn dem Schüler das Fluchen im Blute liegt. Es funktioniert trotzdem.

Am Ende ist Bone so handzahm, dass er vor lauter Galanterie nicht mal Isabellas Flucht bemerkt. Die hat sich befreit, paddelt mit ihrem Liebsten dem Happy End entgegen. Grollt Bone? Mitnichten. Viel zu froh ist er, längst ein Gentleman zu sein.

Diese launige Geschichte verpackt Regisseur Johannes Schmid fantasievoll für Kinder. Gesungen werden Rossinis Koloraturen auf Deutsch, den Orchesterpart übernimmt ein farbig aufspielendes Kammerorchester (Leitung: Lam Tran Dinh), das effektvoll auch mit dem Akkordeon der Hafenkneipen ausgestattet ist. Die Nachwuchssänger zeigen sich von ihrer besten Seite, die Regie gibt ihnen auch Gelegenheit schauspielerisch zu glänzen. Und wenn das Publikum dann bei einem ellenlangen Megafluch mitzetern darf, steht endgültig fest: Pirat zu sein, macht einfach Spaß.