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29.01.2009

Das Glück der Pinguine - Eckart von Hirschhausen im Pforzheimer CCP

PFORZHEIM. Der Pinguin ist ein Pinguin. Es bringt dem kleinen, „knielosen“ Tier nichts, nach einem Leben als große Giraffe mit schönem langen Hals zu streben. Sollte er unglücklicherweise in der Wüste landen, hilft ihm auch kein Jammern – der Pinguin muss sehen, wie er am schnellsten wieder ins Meer kommt. Denn nur dort kann er seine größte Stärke, das Schwimmen, unter Beweis stellen. Und das sein, was er ist und was ihn am glücklichsten macht: ein Pinguin und nichts als ein Pinguin!

Das klingt ziemlich simpel, fast banal und ist jedem Pinguin auf der Welt auch durchaus geläufig. Beim Menschen aber verhält sich das nicht immer ganz so einfach. Deshalb war der Kabarettist und Arzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen am vergangenen Mittwochabend auf Einladung des Kulturhauses Osterfeld in den komplett ausverkauften Großen Saal des CCP gekommen, um den Wesen jenseits des Pinguinbeckens das eine oder andere Rezept zum Glücklichsein zu verordnen: „Es ist schließlich kein Kabarett hier – das ist Gruppentherapie!“

Und die haben wir bitter nötig: „Die Franzosen sind die Besten im Süßholzraspeln, die Deutschen im Sauerkrautstampfen“, so witzelte er. Ja, der Deutsche sehe alles nur schwarz und miesepetrig. Doch lange hielt der promovierte Mediziner sich nicht mit den europäischen Feinheiten des Unglücklichseins auf – die meisten der Fehler machten alle Menschen gleichermaßen: Wir orientieren uns immer an anderen; mit einem entscheidenden Nachteil, so von Hirschhausen: „Wir kennen uns zu 100 Prozent, die anderen bestenfalls zu 50 Prozent.“
Wir würden unseren Mitmenschen alles neiden, anstatt uns an unserem eigenen Besitz zu erfreuen. Wir machten uns selbst klein und reden uns immer noch tiefer ins Negative, anstatt optimistisch und gutgelaunt voranzuschreiten. Wir versänken lieber in Selbstmitleid als positive Gedanken zu schmieden. („Wenn man Scheiße immer nur rumrührt, bleibt es Scheiße!“) Alles in allem, so von Hirschhausen, warte der Mensch darauf, dass ihm das Glück in den Schoß falle. Dies aber sei ein Irrtum, ein Trugschluss. Denn nur der Mensch, der aktiv an seinem Glück arbeite, werde es auch erleben.
Das Glück sei eigentlich immer schon in uns, wir verdrängten es nur: „Sei du selbst! Andere gibt es schon genug!“. Dabei warnte er allerdings davor, zu große Erwartungen zu stellen, und zwar sowohl an sich, als auch an den Partner, den Job, das Leben, ja das Glück selbst. Es seien vielmehr die vielen kleinen Glücksmomente, die den Menschen zufriedenstellten.

Nun sollte man meinen, diese Weisheiten seien durchaus nicht neu und schon gar nicht spektakulär – von Hirschhausen selbst zitierte Seneca mit ähnlichem Inhalt. Was das gut zweistündige Programm aber dennoch zu einem höchst amüsanten und zudem auch nachhaltigen Abend machte, war von Hirschhausens meisterhafte Art, sein medizinisches Wissen mit (fast) philosophischen Gedanken ebenso zu paaren wie mit ganz banalen, aber treffenden Alltags- einsichten. Das gelang ihm bei seinen Exkursen zu Partnerschaft, Finanzkrise, und Jobwechsel ebenso entspannt wie bei den spontanen, sympathischen Dialogen und launigen Aktionen mit dem Publikum. Das funktionierte deshalb so treffsicher, weil er die – wie er selbst sagte – wichtigste Sache der Welt nicht verlernt habe: Sich selbst die eigenen Schwächen einzugestehen und darüber zu lachen. Wie übrigens das bestens gelaunte Publikum mit ihm. Sabine Hägele