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Die gleichen Papierschnipsel, die das Werk „Malik Makaledi“ (im Hintergrund) krönen, haben Mike MacKeldey und Ellen DeElaine mit der Installation „der fertige  Hänfling“ auch zum Haufen in der Mitte das Raumes getürmt. Foto: Seibel
Die gleichen Papierschnipsel, die das Werk „Malik Makaledi“ (im Hintergrund) krönen, haben Mike MacKeldey und Ellen DeElaine mit der Installation „der fertige Hänfling“ auch zum Haufen in der Mitte das Raumes getürmt. Foto: Seibel
05.02.2016

Das Künstler-Duo MacKeldey und DeElaine stellt im Kunstverein aus

Die Werke des Künstler-Duos Mike MacKeldey und Ellen DeElaine sind vielschichtig. In ihnen kommt zusammen, was nicht zusammenzupassen scheint: realistische Interieurs mit assoziativen Texten, Farbkleckse, Überklebungen oder Schnipsel. Zu welchen Resultaten diese Mischung führt, zeigt die neueste Ausstellung im Pforzheimer Kunstverein, die unter dem Namen „Bääääng!!!“ vielfältige Werke der in Berlin lebenden Künstler vereint.

Zusammen oder alleine

Beide arbeiten auch alleine, in Pforzheim aber stehen sie – mit Ausnahmen – als Duo im Vordergrund. Die großformatigen Arbeiten, die den Ausstellungsraum im Reuchlinhaus prägen, sind von ähnlicher Struktur. Am Anfang des Bildes – das sieht man noch – stand eine Schicht. Liebevoll ist da eine Seenlandschaft herausgearbeitet. Im anderen Fall ein herrschaftliches Treppenhaus. Aber MacKeldey und DeElaine belassen es nicht dabei. Sie legen eine weitere Ebene auf ihr Werk. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, sie beginnen – wie sie sagen – zu spielen. Kleckse sind auf die Landschaft gemalt, ein undefinierbarer Kopf wächst aus dem unteren Bildrand über den See. Die Treppenstufen leuchten in allen Farben. „An einem Sonntag im April“ ist aufs Parkett geschrieben, Zeitschriften-Schnipsel krönen das Entrée des Hauses. Was leitet die beiden dabei? Gibt es ein Konzept hinter ihren Eingriffen?

Immer wieder ist es MacKeldey, der es strikt verneint: „Dann wäre es kein Spiel mehr“, sagt er. Intuition spielt hier die größte Rolle. Entschieden plädiert er für die Offenheit der gemeinsamen Werke.

Die Zahl der Bearbeitungen, auch ihre Art ist nicht festgelegt. Gibt es da einen Punkt, an dem er weiß, dass das Werk fertig ist? „Wenn die Ausstellung da ist. Ist sie in zwei Tagen, dann sieht das Bild am Ende ganz anders aus, als wenn es noch eine Woche bis zur Vernissage gedauert hätte.“

So richtig fertig, abgeschlossen, findet MacKeldey, sei ein Kunstwerk ja sowieso nie. Er wird konkret. „Vor Kurzem hat einmal der Sohn eines Freundes einen riesigen Strich über ein Bild von mir gemalt. Ich hätte es retouchieren können“, sagt er „Aber warum sollte ich? Jetzt ist das Werk eben anders – und mit einem großen Strich darauf.“ So richtig fixierbar also werden die Bilder des Duos nie, dafür sind sie zu flüchtig. Schnell wird klar: Beide mögen diese Flüchtigkeit, wollen sich nicht festlegen lassen.

Es ist Koketterie, wenn sie sagen: „Wir können nichts.“ Ihr Wille zum Diffusen wirkt bemüht. In allem wollen sie zurücktreten, hinter ihr Werk, das – so soll man glauben – aus Zufall und Intuition entsteht. Ob es denn Künstlernamen seien, die sie da haben. „Das wissen wir nicht“, sagt DeElaine. „Wir haben unsere Pässe verloren.“ Ob sie denn auch privat liiert seien? „Das wissen wir nicht genau. Es ist nicht ausdefiniert“, sagt MacKeldey. Falls auch sie es nicht sind, ihre Kunst hat sich zur Partnerschaft gefunden. In der „Galerie zum Hof“ des Reuchlinhauses haben sie einzelne ihrer Werke in einer Installation vereint, haben etwas Gemeinsames gemacht aus ihren eigenen Handschriften. Aber hier treten sie stärker empor. MacKeldey lässt einen flüchtigen, verschwommenen Kopf aus der Leinwand heraustreten, DeElaine zeigt in einem hintergründigen Bild ihr Können, das humorvoll ist und von Handwerkskunst zeugt. Da ist auf dem Bild ein kleines Rechteck zu sehen, altmeisterlich glänzt ein Hummer im Stillleben. So präzis, dass man es für eine Postkarte hält. Überkritzelt ist das Ganze mit einer Version von kindlicher Hand, die im wilden Strich Blumen über die Stilkopie wirft, das Stillleben mit Kritzelei bemalt. Auch hier zeigt sich, was diese Ausstellung charakterisiert. Es ist die Lust am Ungreifbaren, Humor – und der Hang zur Vielschichtigkeit.