nach oben
Geigerin Maria Solozobova spielte mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“ in der Auferstehungskirche des Architekten Otto Bartning.
Geigerin Maria Solozobova spielte mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“ in der Auferstehungskirche des Architekten Otto Bartning.
26.10.2015

Das SWDKO in der Auferstehungskirch mit Geigerin Maria Solozobova.

Pforzheim. Mit einem schönen Serenaden-Abend, dargeboten vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, gedachte die evangelische Johannesgemeinde am Samstagabend des Kirchweihtags ihrer Auferstehungskirche vor 67 Jahren. 1948 war diese als erste von mehr als 40 Notkirchen eingeweiht worden.

Zu diesem Anlass hatte das Südwestdeutsche einige Raritäten aus der Schublade gezogen – Max Bruchs Serenade nach schwedischen Volksmelodien sowie das dreiteilige „Souvenir d’un lieu cher“ (Erinnerung an einen geliebten Aufenthalt) op. 42 für Violine und Streicher von Tschaikowsky, für dessen Solopart die russische Geigerin Maria Solozobova das richtige Händchen mitbrachte. Nach dieser romantischen Glut gab es zum Abschluss noch Wohlbekanntes – Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Unter der Leitung von Chefdirigent Timo Handschuh erklang die Serenade in ihrer typischen Unbekümmertheit, unterhielt mit ihrem frisch eröffnendem Allegro genauso wie mit der anmutig feinen Romanze.

Ganz anders dagegen die Serenade von Bruch, die zu den Lieblingsstücken des Orchesters gehört. Mit viel Gefühl und Innigkeit präsentierten die Musiker das ungemein dichte und zauberhaft romantische Werk mit volksliedhaften Elementen, die besonders im dritten und letzten Satz hervortrten. So verströmte das von tiefen Streichern eingeleitete und dynamisch zunehmende Andante eine wärmende Fülle. Etwas mehr Schmalz kam im Andante sostenuto dazu, eine Vortragsbezeichnung für ein gedehntes, ruhiges Tempo. Entsprechend breit und weich ließ das Orchester die eingängige Melodie erklingen, kehrte aber auch die feinen Passagen zart hervor. Dieser vierte Satz ertönte nochmals als Zugabe – mit Handschuhs Worten: „Wenn Sie auf die Melodie hören – das ist wie ein Gebet.“

Von Emotionalität geprägt sind auch die Charakterstücke von Tschaikowsky: Die melancholische Klangfülle zu Beginn der „Méditation“ geht langsam ins Pizzicato über – den Moment, in dem Maria Solozobova mit ihrer Violine von 1728 einstieg. Besonders die ausdrucksvollen Melodien gelangen der Russin sehr schön, auch die lang zierenden Triller und das Vibrato in höchster Tonlage. Was Rasanz bedeutet, zeigten Solistin und Streicher beim Scherzo, während die Melodie im dritten Teil wunderbar anklang, am Schluss aber recht unvermittelt endete.

Überzeugender als Solozobovas Zugabe – Bachs einfach schnell gespielter letzter Satz aus der g-Moll-Sonate – wirkte das Valse-Scherzo C-Dur op. 34 von Tschaikowsky mit virtuosem Soloteil.