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In Weimar lässt sich‘s gut leben und gut morden – zumindest, wenn man dem ersten Roman von Schauspieler Dominique Horwitz glauben darf.   Neugebauer
In Weimar lässt sich‘s gut leben und gut morden – zumindest, wenn man dem ersten Roman von Schauspieler Dominique Horwitz glauben darf. Neugebauer
07.10.2015

Das Thalia-Programm schlägt im Herbst einen weiten Bogen

Da ist selbst die erfahrene Buchhändlerin erstaunt: Bereits vor Monaten hat Erika Föst für das Thalia-Herbstprogramm Peter Wohlleben für eine Lesung verpflichtet – „weil das Thema ganz spannend schien“. Heute führt „Das geheime Leben der Bäume“ des Försters die Bestseller-Listen an. „Einer, der ausspricht, was viele denken“, sagt Föst.

Denn der 51-Jährige schildert, wie Bäume miteinander kommunizieren, wie sie ihre kranken Artgenossen pflegen, wie sie Empfindungen, Gefühle, ein Gedächtnis haben. Und warum er sich als Förster von der gewinnorientierten Waldwirtschaft abgewandt hat. „Wohlleben benutzt Begriffe, wie Liebe oder Nachwuchspflege, die wir so nicht mit Bäumen in Verbindung bringen“, schildert die Buchhändlerin. Das sei anfangs zwar irritierend, aber doch sehr nachdenkenswert.

Höhepunkt des Programms ist sicherlich ein Autorendebüt: Dominique Horwitz, bekannter Schauspieler, Regisseur, Interpret, hat seinen ersten Roman geschrieben – einen Krimi. und eine Hommage an seine Wahlheimat Weimar. Dort wird allerdings kaltblütig gemordet. In der „Villa Gründgens“, dem Alterssitz für ehemalige Bühnenkünstler. Aus der greisen Theatergruppe stirbt unter mysteriösen Umständen einer nach dem anderen. Und Roman Kaminski, Kutscher, Stadtführer und Aushilfshausmeister, sieht sich unvermittelt in der Rolle des Ermittlers. „Ein Alter Ego von Dominique Horwitz“, schildert die Buchhändlerin, „der viel persönliches in die spannend erzählte Geschichte und die skurrilen Figuren einfließen lässt.“ Ganz nebenbei lädt das mit Sprüchen gespickte Buch zum munteren Zitatenraten ein.

Mit „Die weiße Massai“ ist sie berühmt geworden. Nun erzählt Corinne Hofmann ihr Leben – und das ist alles andere als gewöhnlich. 1960 als Tochter einer elsässischen Mutter und eines deutschen Vaters in der Schweiz geboren, ist Corinne Hofmann von Beginn an eine Außenseiterin. Die durchlebt eine Kindheit, die geprägt ist von Geldnot, von einem Zuhause fern ab des nächsten Dorfes, von einem zwiespältigen Verhältnis zum Vater. Eine Kindheit, die Hofmann nicht schwach und düster, sondern zupackend und lebensfroh gemacht hat. Und die sie letztlich an die Seite eines stolzen Massai-Kriegers in Kenia verschlägt.

Eine ganz andere Form der Lebensbewältigung hat sich Meike Winnemuth auf die Fahnen geschrieben: Sie lebt im Einklang mit sich selbst, freut sich an den kleinen Dingen des Lebens und betrachtet vieles mit einer gehörigen Portion Humor. Wie das zu bewerkstelligen ist, schildert sie in ihrem Buch „Um es kurz zu machen“. Ein kurzweiliges, aber umso vehementeres Plädoyer, sich für sein eigenes Leben zu begeistern, hält Marc A. Pletzer in seinen Vorträgen.

Und mit einer etwas anderen Kriminacht warten zum zehnjährigen Bestehen der Reihe Jo Jung und Boogaloo auf: In „Der Detektiv und das Saxophon“ trifft Krimilesung auf Jazz, mörderische Verstrickung auf musikalischen Hit.