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Wie die menschliche Stimme funktioniert, erfahren die Kinder am konkreten Modell. Foto: Bode
Wie die menschliche Stimme funktioniert, erfahren die Kinder am konkreten Modell. Foto: Bode
Am „Rhythmusradar“ kann man aus kleinen Tönen komplexe Rhythmen bauen.  Foto: Bode
Am „Rhythmusradar“ kann man aus kleinen Tönen komplexe Rhythmen bauen. Foto: Bode
27.11.2015

Das „Toccarion“ bringt Kindern die Welt der Musik näher

Schon nach wenigen Minuten ist die Scheu überwunden. Die Kinder der Grundschule Lahr-Sulz schreien in die Mikrofone, lachen laut – und stampfen wie wild auf den Boden. Hier, in der Baden-Badener Kinder-Musik-Welt „Toccarion“, scheint Musik auf einmal für alle interessant. Keine Angst vorm Singen, keine Scham vor dem vermeintlich langweiligen Fach. Was ist hier interessanter als im Musikunterricht an der Schulbank? Es ist die Anschaulichkeit, mit der die Welt der Musik erklärt wird.

Ganz konkret widmet sich das Museum den Phänomenen der Musik, lässt Klangfarbe, Rhythmus oder den Orchesteraufbau interaktiv lebendig werden. Das geht nur mit den sogenannten „Musiklotsen“, die die Kindergruppen begleiten. So wie Anne-Laure Bernard. Sie unterrichtet Schlagzeug an der Baden-Badener Musikschule, ist aber auch im „Toccarion“-Team mit dabei. „Alle unsere Lotsen haben eine pädagogische Ausbildung“, sagt Stefan Kiener von der Siegmund-Kiener-Stiftung, die das „Toccarion“ finanziert. Bernard begrüßt die Kinder und fängt bei der wichtigsten Grundfrage der Musik an: Wie entsteht eigentlich so ein Ton? Manche Schüler der 4b der Grundschule Lahr-Sulz wissen schon, dass die Vibration der Stimmlippen dafür verantwortlich ist. Bernard aber zeigt es ihnen ganz konkret.

„Berührt euren Hals beim Singen“, sagt sie. „Bei den hohen Töne ist die Vibration viel weiter oben spürbar als bei den Tiefen.“ Aber das ist noch nicht alles – wie genau der menschliche Gesang funktioniert, lernen die Schüler in einem anderen Raum. Dort ist der Stimmapparat mit Röhren, Fässern und Membranen nachgebaut. Mit aller Energie wird so die Luft aus der Lunge – einem blauen Fass – auf das Gummiband geleitet, das im schnarrenden Ton zu schwingen beginnt. Aber ein Ton wird nicht nur durch seine Höhe bestimmt; auch die Klangfarbe oder Lautstärke spielt eine Rolle.

Mit Trichtern in allen Größen und Formen können die Schüler den Ton verändern, können ihn satt brummen oder heiser fiepen lassen – und sich gleichzeitig auch mit der virtuellen Klangveränderung beschäftigen. Sie singen ins Mikrofon – und ihre Stimme wird verzerrt. Das sorgt für ausgelassene Experimente – die Schüler wollen nicht mehr weg von den Mikros. Aber weiter geht es durch das Gebäude, das wie das Baden-Badener Festspielhaus im alten Bahnhof liegt. Weiter durch den Rhythmus-Raum, wo man mit Klang-Steinen komplexe Rhythmen bauen kann oder durch den Tanzraum, wo sich die Kinder das Walzer-Metrum erstampfen müssen. Es wartet der Höhepunkt der Führung: die Auswahl der Orchesterinstrumente. Bernard führt sie vor – und jeder darf einmal ausprobieren. Die Harfe ist besonders unter den weiblichen Viertklässlern beliebt, die Jungen stürzen sich auf die Gitarre. Am Ende aber hat sich jeder ausprobiert.

Da dröhnen durch die prachtvollen Räume des Bahnhofs die Waldhörner und Fagotte, Flöten, Geigen und Posaunen. Verwundernd, welche Lautstärke in dem Kinder-Orchester steckt. Verwundernd auch, welche Faszination so ein Instrument auslöst, wenn man einmal ohne Kontrolle, ohne richtig oder falsch drauf los tröten kann. Das findet auch Rojda. „Es war toll – besonders, dass man alles ausprobieren und anfassen kann“, sagt die Neunjährige am Ende der Führung. „Vielleicht fange ich jetzt auch an, ein Instrument zu lernen.“

PZ verlost „Toccarion“-Erlebnis

Die PZ bietet eine Fahrt ins „Toccarion“ an. Pro Familie können sich Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bewerben, die von einem Erwachsenen begleitet werden müssen. Los geht es am Sonntag, 17. Januar, um 9.45 Uhr im PZ-Hof. Ein Bus wird die Teilnehmer ins Toccarion fahren und – bis spätestens 16.30 Uhr – wieder nach Pforzheim bringen. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, schreibt eine E-Mail mit Namen und Telefonnummer unter dem Betreff „Toccarion“ an kultur@pz-news.de