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Das erwartet die Gäste beim Auftritt von Kabarettist Bernd Kohlhepp in der Kulturhalle Remchingen

Remchingen. Er war Old Shatterhand im „Winnetou IV“-Spektakel, er sang zehn Jahre lang mit der SWR Big Band – vor allem und immer wieder ist er aber Herr Hämmerle, „der Mann aus Bempflingen“. Sein großes Jubiläum in diesem Jahr feiert Bernd Kohlhepp standesgemäß – auf der Bühne. Vor seinem Auftritt in der Kulturhalle Remchingen sprach die PZ mit dem Künstler.

PZ: Herr Kohlhepp, Sie stehen nun seit vier Jahrzehnten auf der Bühne. Diesem Umstand tragen Sie mit einer Bühnenshow namens „Vierzick“ Rechnung. Was erwartet die Zuschauer heute in Remchingen?

Bernd Kohlhepp: Abgesehen davon, dass ich die besten Szenen aus all meinen Jahren auf der Bühne spiele, gratulieren mir auch einige meiner eigenen Bühnengeschöpfe. Wichtigstes Mitbringsel sind meine Weggefährten Sandie Wollasch und Gunzi Heil. Sandie. die von Gitarrist Matthias Hautsch begleitet wird, war mit mir mehrfach bei der SWR Big Band Produktion „Obacht Schwabenstyle“ dabei. Mit Gunzi bin ich seit 25 Jahren befreundet, wir geben hin und wieder zu besonderen Anlässen ein schwäbisch-badisches Crossover.

Das wohl bekannteste Ihrer Bühnengeschöpfe ist der schlagfertige Schwabe Herr Hämmerle. Sie haben diese Figur vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufen, anfangs mit erbsgrüner Cordjacke, seit einigen Jahren modern im knallgrünen Jackett, jedoch nie ohne das Markenzeichen: den Hut ...

Tatsächlich hatte ich bei einem Gastspiel in Kärnten meinen Hut vergessen, das ist unverzeihlich!

Ich hatte es erst in Salzburg bemerkt und schnell irgend einen Hut als Ersatz gekauft – davon ausgehend, dass Herr Hämmerle in Kärnten vielleicht nicht so gut bekannt ist. Für das Publikum war auch alles in Ordnung, Begeisterung wie immer. Aber ich fühlte mich wie ein Betrüger, der sich als falscher Herr Hämmerle ausgibt.

Ganz ehrlich: Die Begegnung mit Herrn Hämmerle ist das Beste, was mir je passieren konnte. Eine

solche Figur zu finden, die einen ein Leben lang begleiten kann und mit einem älter wird, ist beglückend. Ich habe mich schon einmal von ihr trennen wollen. Das ging schief, die Zuschauer haben ihn wieder zurückverlangt.

In vier Jahrzehnten haben Sie vieles erlebt, was waren die Höhepunkte ihrer Bühnenjahre?

Die Bühne war für mich immer Hauptberuf, oder besser Lebensinhalt. Aus meiner Anfangszeit sind es die Gastspielreisen in den späten 80er-Jahren nach Tadschikistan und Georgien, die große Bedeutung für mich hatten. Auch meine Reise nach Nashville und Memphis 2010 war ein echtes Highlight, dort habe ich mit US-Musikern eine Platte aufgenommen. Mit schwäbischen Texten wohlgemerkt. Extrem spannend war die Zusammenarbeit mit der SWR Big Band und die 40 gemeinsamen Auftritte. Ebenso die vielen Produktionen fürs SWR-Fernsehen. Ein Höhepunkt jüngerer Zeit war die Premiere meines ersten filmischen Werks „Canale Grande“ 2018 im Metropol Kino Stuttgart. In diesem Jahr nun mein zweiter Kurzfilm „Wer schreibt, der bleibt“. Nicht zufällig ist die Premiere in meinem Jubiläumsjahr. Die Hauptfiguren sind Herr Hämmerle und jener Bernd Kohlhepp. Neben meiner Hämmerle-Figur bin ich stolz auf meine Reihe der Klassiker wie Goethes „Faust“, den ich beispielsweise im vergangenen Oktober in Schömberg gespielt habe, und die jüngste Classic-Comedy „Casablanca oder wo bleibt #Berenike“. Auch da spiele ich alle Rollen – das ist für mich eine echte Erfüllung!

Was waren schwierige oder kuriose Momente, die Sie nie vergessen werden?

Im Nachhinein witzig war ein Fernsehauftritt mit der SWR Big Band. Ich hatte dafür unter anderem auch einen Song des berühmten englischen Songschreiber Paul Carrack ins Schwäbische übertragen. Pech war, dass Carrack einen ähnlichen Hut trägt wie Herr Hämmerle und dass er ebenfalls mit der Big Band zusammenarbeitet. So hatte er den falschen Eindruck, ich wolle ihn imitieren. Er war stinksauer und verlangte, dass ich meinen Auftritt ohne Hut mache. Das wiederum ist für mich unvorstellbar. Es hat mich mein bestes Schulenglisch gekostet, ihn dann doch noch zu überzeugen, dass Herr Hämmerle mit Hut keine Nachahmung von ihm darstellt. Die seltsamsten Auftritte der letzten 40 Jahre sind vielleicht tatsächlich die Corona-Auftritte. 2020 und 2021 habe ich versucht, Autos zum Lachen zu bringen. Ich stand auf einer Paletten-Bühne auf einer Waldlichtung, auf der Ladefläche eines Biertransporters. Und ich habe selbst auch aus meinem Wohnwagen-Anhänger heraus gespielt als Bühnenersatz.

Infos und Karten zum Auftritt an diesem Donnerstag, 30. Juni, um 20 Uhr gibt es im Internet auf www.kulturhalle-remchingen.de