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Auch im Zeichen von Mauer und Stacheldraht: Jura Wanga, Eduardo Novelli und Roger Molist-Puigdoménéch (von links) versuchen, frei zu sein. Haymann
Auch im Zeichen von Mauer und Stacheldraht: Jura Wanga, Eduardo Novelli und Roger Molist-Puigdoménéch (von links) versuchen, frei zu sein. Haymann
05.02.2016

David Bowie steht im Mittelpunkt der heutigen Ballett-Premiere „Heroes“

Pforzheim. Eine ungeahnte Aktualität liegt über der ersten abendfüllenden Ballett-Premiere der Saison am Theater Pforzheim. Mit „Heroes/The Lovers“ widmet sich das Theater der popkulturellen Lichtgestalt David Bowie. Dass er zur Zeit der Premiere tot sein würde, war nicht abzusehen. „Wir planen die Stücke zwei Jahre im Voraus“, sagt Ballett-Direktor Guido Markowitz.

Was erwartet die Zuschauer bei dem Stück, das heute Premiere feiert? Ein Abend mit zwei Herangehensweisen an Bowie und an einen seiner größten Hits – „Heroes“ – der die Liebe eines Paares im Schatten der Berliner Mauer beschreibt.

Der erste Teil des Abends stellt ganz die Person Bowie in den Vordergrund. „Er hat einmal auf der Bühnen einen Zusammenbruch erlitten und sich danach zurückgezogen“, sagt Markowitz. „Das ist unser Ausgangspunkt.“ Mit vielen Bowie-Hits gespickt, wagen Markowitz und sein Team daraufhin eine Reise durch das Leben Bowies. „Da gibt es eine Szene, in der Bowie das erste Mal ,Tutti Frutti‘ von Little Richard hört – und daraufhin beschließt, Künstler zu werden.“ Bowies Berliner Jahre werden ebenso lebendig wie sein Alter Ego Ziggy Stardust. „Zusammen mit den Tänzern haben wir uns damit beschäftigt, wie sich Bowie bewegt hat. Daran versuchen wir, uns zu orientieren.“ Auch musikalisch hat der erste Teil Hommage-Charakter. „Wir erzählen die Episoden aus Bowies Leben mit den passenden Songs, unter anderem mit ,Under Pressure‘, ,Ziggy Stardust‘ oder dem Song ,Lazarus‘ aus dem neuen Album ,Blackstar‘“. Anders dagegen zeigt sich der zweite Teil. „The Lovers“ nimmt das Motiv des Liedes „Heroes“ auf und führt das Thema durch.

Was für eine Relevanz hat denn die Berliner Mauer noch? „Das Thema der Mauer ist immer aktuell“, sagt Markowitz. „Mauern schützen zum Beispiel Grenzen oder sind in unseren Köpfen.“ Und auch das Bühnenbild ist um eine monumentale Mauer gebaut. Hier spielen sich die Szenen ab, in denen verschiedene Paare mit gesellschaftlichem Widerstand konfrontiert werden. Dieser Teil wird musikalisch von der Badischen Philharmonie begleitet. Es erklingt die vierte Sinfonie des amerikanischen Komponisten Philipp Glass. Das Besondere an ihr: Sie basiert auf dem Bowie-Hit „Heroes“. Vielfältig dreht sich also der gesamte Abend um Bowie und seine Musik – und wird so ungeahnt aktuell. sap