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Mit ihren Stimmen können die Mitglieder von basta (links) und Delta Q Instrumente imitieren. Gerade in ihren Texten spüren sie dem Humor des Alltags nach.  Roller
Mit ihren Stimmen können die Mitglieder von basta (links) und Delta Q Instrumente imitieren. Gerade in ihren Texten spüren sie dem Humor des Alltags nach. Roller
25.10.2016

Delta Q und basta begeistern bei der zwölften Nacht der Stimmen in Osterfeld

Das gibt es auch nicht alle Tage: eine ganze Bühne voller Instrumentalisten, die eigentlich gar keine sind. Das Publikum hört zwar einen Bass, eine Geige, ein Schlagzeug und ein Saxofon. Aber zu sehen ist davon nichts. Auf der Bühne stehen nur vier junge Männer, die ihre Münder bewegen.

Die vier nennen sich „Delta Q“ und sind am Samstagabend bei der Nacht der Stimmen zusammen mit ihren Kollegen von „basta“ im Kulturhaus Osterfeld zu sehen – und vor allem zu hören.

Einen Titel nach dem anderen singen sie a cappella, getreu dem Motto: Wer braucht schon Instrumente, wenn er eine kräftige Stimme hat? Aber die vier imitieren mit ihren Stimmen nicht einfach nur die Instrumente, sondern sie sind selbst welche. Sie erzeugen eigene Klangwelten, und man merkt, dass ihnen das Singen Spaß macht. Denn mal ehrlich: Könnten sie wohl sonst die „Ode an die Freude“ zuerst lässig rappen, dann als Opernchor präsentieren und zum Schluss sogar noch wild dazu tanzen?

Die Genre-Grenzen zefließen

In Pforzheim zeigen sich die vier Sänger außerordentlich wandlungsfähig, lassen die Genre-Grenzen zerfließen. Sie präsentieren Schlager, Rocksongs, Fernsehmelodien und Lieder, die sie selbst getextet haben. Ihre Eigenkompositionen handeln zwar meistens von Belanglosem und haben nicht viel Feinsinniges an sich, aber sind dennoch originell.

Wer kommt schon auf die Idee, ein Lied über seinen Bart zu schreiben? Oder über das Plusquamperfekt zu räsonieren? Und wenn sie gerade nicht singen, dann machen sie Scherze mit ihrem Publikum oder streiten sich über die Farbe ihrer Flyer.

Am Ende erklärt Thorsten Engels: „A cappella ist das einzig Wahre.“ Das Publikum gibt ihm und seinen Mitstreitern mit tosendem Applaus Recht. Den erhalten anschließend auch die Mitglieder von „basta“. Die fünf Sänger überzeugen in Pforzheim vor allem mit ihren eigenen Songs. Sie schimpfen über nervige Gondoliere in Venedig, präsentieren eine blasphemische Schöpfungsgeschichte, philosophieren über „Pferde auf dem Flur“ und erzählen von gescheiterten Kontaktaufnahmen in der Diskothek.

Manchmal, da nehmen sie auch die Melodien bekannter Songs her und erfinden ihren eigenen Text dazu. Dann erklingt zu „SOS“ von ABBA schon mal: „Ich werde fett und alt, weil ich so gern bei Esso ess’.“ Und zu „YMCA“ der Village People fällt den Fünfen ein: „Ich glaub, ich hab ADHS.“

Wenn sie gerade nicht selbst singen, dann geben sie ihrem Publikum Nachhilfe im Pfeifen oder erklären, wie Beatboxing funktioniert. Sie tanzen lässig über die Bühne, schnippen locker aus dem Handgelenk und haben immer ein Lächeln im Gesicht. Kein Wunder, dass die Zuhörer im Osterfeld die fünf Sänger sofort sympathisch finden und am Ende erst gehen lassen, nachdem Herbert Grönemeyer nuschelnd „Er gehört zu mir“ gesungen hat.