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Verschiedene Handlungsebenen fasst Regisseur Hermann in großen Bildern zusammen – hier mit Agnieszka Tomaszewska (Freia, von links), Renatus Meszar (Wotan), Yang Xu (Fasolt), Avtandil Kaspeli (Fafner); oben Matthias Rott, Witalij Kühne, Diana Matthess. Foto: Von Traubenberg
Verschiedene Handlungsebenen fasst Regisseur Hermann in großen Bildern zusammen – hier mit Agnieszka Tomaszewska (Freia, von links), Renatus Meszar (Wotan), Yang Xu (Fasolt), Avtandil Kaspeli (Fafner); oben Matthias Rott, Witalij Kühne, Diana Matthess. Foto: Von Traubenberg
13.07.2016

Den Göttern dämmert’s schon im Rheingold – Inszenierung am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Karlsruhe. Bei den Göttern menschelt es gewaltig. Obergott Wotan hat bei den Riesen einen Prachtbau in Auftrag gegeben, den er nicht bezahlen kann. Er hofft, dass dem Feuergott Loge irgendetwas einfällt, wie er aus der selbst geschaffenen Zwickmühle herauskommt. Doch die Lösung des einen Problems zieht gleich neue Probleme nach sich.

Regisseur David Hermann setzt mit seiner erfrischend direkten Inszenierung von „Das Rheingold“ den Auftakt zum neuen „Ring“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Dabei weist Hermann auf die Folgen von Wotans Entscheidungen voraus, so dass man sich die folgende Trilogie aus „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ rein von der Handlung her sparen könnte. Aber wer wollte schon auf Richard Wagners Musik und einen Blick auf die Ideen der anderen drei Regie-Teams verzichten, die einen jeweils eigenen Blick auf den „Ring“ werfen?

Beim „Rheingold“ hat Bühnenbildner Jo Schramm eine geschickte Spielfläche geschaffen. Im Erdgeschoss sehen wir die fatalen Business-Meetings der Götter mit den Riesen. Eine Drehung der Bühne weiter, und hinter Elektrozaun und Stacheldraht erkennt man den Eingang zu Nibelheim, wo die von Alberich versklavten Zwerge dessen Reichtum immer weiter mehren müssen. Noch während Wotan und Fricka streiten, erzählen Schauspieler durch Körpersprache, wie sich Siegmund und Sieglinde – in der „Walküre“ – finden. Und so spiegelt die Regie die Handlung des „Rheingolds“ durchgehend in die Zukunft, bis die Götter schließlich in Walhall einziehen. Doch unter ihnen brennt schon – wie in der „Götterdämmerung“ – der Scheiterhaufen von Siegfried und Brünnhilde, Walhall scheint auf Flammen zu stehen.

Optisch ebenso grandios wie das Schlussbild, gelingt dem Bühnenbildner der Anfang. Vor einem sternenfunkelnden Nachthimmel schlafen die goldglänzenden Rheintöchter, bis Mutter Erda ihnen den Ring ins Wasser wirft: der Ausgangs- und Zielpunkt der Inszenierung. Der Felsen hebt sich, Wasser rinnt, und das glänzend singende Rheintöchter-Trio Uliana Alexyuk, Stefanie Schaefer und Katherine Tier treibt sein ausgelassenes Spielchen mit Alberich. Jaco Venter verleiht dem Frustrierten eine kraftvolle Stimme und Darstellung.

Den Göttern steht das Wasser bald bis zum Hals. Fricka, von Roswitha Christina Müller schlank gesungen, spart nicht mit berechtigten Vorwürfen. Die scheinen an Göttergatten Wotan abzuprallen. Renatus Meszar singt und spielt diese Figur facettenreich, so dass man nachvollziehen kann, wie sich Wotan immer tiefer in selbst geschaffenen Problemen verstrickt.

Freia als Girlie

Eine nicht unbedingt durch den Text legitimierte Deutung verleiht David Hermann der Freia. Er sieht die Göttin der ewigen Jugend als munteres Girlie, das der Göttersippe nur zu gern mit dem smarten Fasolt entfliehen würde. Doch während die beiden flirten, erkennt Fasolts Bruder Fafner, welche Macht im Ring steckt. Avtandil Kaspeli lässt in den Tiefen seines Basses bereits die Abseitigkeiten dieser Figur erkennen. Für den Ring tötet er den eigenen Bruder. Freia bleibt untröstlich zurück. Keiner der Götter kann es mit dem raffinierten Loge aufnehmen. Eine Glanzrolle für Matthias Wohlbrecht. Der, stimmlich und auch sonst sehr agil, spielt gekonnt jeden gegen jeden aus.

Die zügig erzählte Geschichte kennt auch musikalisch keine Längen. Generalmusikdirektor Justin Brown legt mit der Badischen Staatskapelle eine farben- und temporeiche Interpretation vor. Geschickt achtet Brown darauf, die Sänger nie „zuzudecken“. Das Karlsruher „Rheingold“ ist musikalisch aus einem Guss, das Solistenensemble homogen, die Inszenierung stimmig. Die Fortsetzung folgt am 11. Dezember mit „Die Walküre“, inszeniert von Regisseur Yuval Sharon.