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Der Gebäudemanager des Mannheimer Theaters, Oliver Hering, steht vor großen Aufgaben, gerade in der Klimatechnik. Das Gebäude muss generalsaniert werden – sonst droht die Schließung.  Anspach
Der Gebäudemanager des Mannheimer Theaters, Oliver Hering, steht vor großen Aufgaben, gerade in der Klimatechnik. Das Gebäude muss generalsaniert werden – sonst droht die Schließung. Anspach
Vor rund 25 Jahren wurde das Pforzheimer Theatergebäude am Waisenhausplatz eingeweiht. Damit gehört es zu den jüngeren Gebäuden. Deswegen ist es in einem vergleichsweise guten Zustand.  Ketterl
Vor rund 25 Jahren wurde das Pforzheimer Theatergebäude am Waisenhausplatz eingeweiht. Damit gehört es zu den jüngeren Gebäuden. Deswegen ist es in einem vergleichsweise guten Zustand. Ketterl
29.12.2015

Der Ärger um marode Theatergebäude

Pforzheim/Mannheim. Es sind riesige Herausforderungen, vor denen die Theaterlandschaft in Baden-Württemberg steht. Probleme bereitet weniger die künstlerische Seite des Betriebes, zählen doch die Bühnen im Südwesten regelmäßig zur deutschen Spitze. Es sind die oft maroden Theatergebäude, die Ärger machen. So wie im Mannheimer Nationaltheater.

Das Haus wurde erst kürzlich zur Oper des Jahres gewählt – doch hinter den Kulissen bröckelt der Putz. Marode Technik, veraltete Leitungen, Probleme beim Brandschutz: Das Theater hat ein Problem mit seiner Spielstätte. Ohne Generalsanierung droht dem Gebäude aus den 1950er-Jahren in wenigen Jahren die baupolizeiliche Sperrung. In Pforzheim aber sieht die Lage anders aus.

Das Theatergebäude am Waisenhausplatz hat erst in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Spuren hat die Zeit auch hier hinterlassen – aber das Theater ist laut Angabe des stellvertretenden Verwaltungsdirektors Manfred Selzer in gutem Zustand.

„Die Gebäudesubstanz und die Technik sind gut in Schuss. Gerade, weil sie regelmäßig gepflegt und auf dem Laufenden gehalten werden.“ Weil die Teile zu unterschiedlichen Zeiten verschleißen würden, müsste man laut Selzer bei einem so jungen Gebäude nur die jeweils aktuellen Renovierungen erledigen. „Einen Investitionsstau gibt es nicht – und eine Generalsanierung kommt nicht ansatzweise infrage.“ Trotzdem kämen auf das Theater auch in nächster Zeit einige technische Erneuerungsmaßnahmen zu. „Die Brandmeldeanlage und die Klimatechnik müssen auf den neusten Stand gebracht werden, und bei 25 Jahren Gebäudealter muss man in den folgenden Jahren sicher auch über eine Renovierung der Fassade nachdenken“, sagt Selzer. „Insgesamt sind wir aber auf einem guten Stand.“

Teure Renovierungen

Bei vielen Theatern in Deutschland sieht die Situation dagegen ganz anders aus. An etlichen Standorten gebe es einen teils erheblichen Sanierungsstau, sagt der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin. Wegen Finanzproblemen schöben Kommunen Generalsanierungen vor sich her, schließlich gehe es um „nicht unbeträchtliche“ Summen.

Die Mannheimer Bühne hat immerhin noch bis 2020 Zeit, um die bereits beschlossene Generalsanierung anzugehen. „Größtes Sorgenkind ist derzeit der Brandschutz“, berichtet der geschäftsführende Intendant des Nationaltheaters, Ralf Klöter. Nach seinen Angaben hat die Feuerwehr dem Weiterbetrieb nur noch unter Auflagen zugestimmt. Im Opernhaus etwa sind Wandverkleidungen aus Holz – also aus brennbarem Material. Und das ist heutzutage nicht mehr zulässig. Dieses Problem sorgt im Verbund mit Weiteren für große Belastungen. Erst 2010 stellte die Stadt Mannheim rund 19 Millionen Euro für die schrittweise Ertüchtigung der Spielstätte zur Verfügung. Für die Generalsanierung sind weitere 80 Millionen Euro veranschlagt. Viel Geld – aber mit Mehrwert. Denn das Bewusstsein der Kommunen für ihre Theater sei in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Bolwin. In vielen Städten würden derzeit Spielstätten generalsaniert, etwa in Augsburg oder Köln. Rund 150 Staats- und kommunale Theater existieren in Deutschland. „Es gibt immer mal wieder Standorte, an denen die Lage so brisant ist, dass die Schließung einer Werkstatt droht“, erklärt Bolwin. Aber meistens werde rechtzeitig reagiert.

Wenn Kommunen bei den Theatern den Rotstift ansetzten, dann eher an den Sparten als an den Gebäuden, sagt Uwe Lübking vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Theater sind wichtig, sie haben eine Sogwirkung und spülen Geld in die kommunalen Kassen.“ Kultur sei für viele Menschen ein Grund, in eine bestimmte Stadt oder Region zu ziehen. Und auf Dauer geht das nur mit sanierten Gebäuden.