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Auch wenn er an der Aussprache von „Schpätzlesbeschteck“ scheitert: Dave Davis schwätzt gerne badisch. Roller
Auch wenn er an der Aussprache von „Schpätzlesbeschteck“ scheitert: Dave Davis schwätzt gerne badisch. Roller
04.11.2016

Der „Afro-Teutone“ erfindet sich neu

Den weißen Kittel, den Pümpel und die Klobürste hat er hinter sich gelassen. Den Toilettenmann „Motombo Umbokko“ mit dem ulkigen afrikanischen Akzent gibt es nicht mehr. Stattdessen steht jetzt ein schlanker, sportlich wirkender Mann auf der Bühne, mit blauem T-Shirt, tief sitzender Hose und einer schwarzen Mütze auf dem Kopf.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Dave Davis in der Rolle des scheinbar unbeholfenen Toilettenmanns ein Klischee nach dem anderen aufgewärmt hat, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Zum Glück, muss man wohl sagen. Denn der neue Dave Davis ist trotz einiger inhaltlicher Schwächen ein begnadeter Kabarettist und ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens.

Wurzeln in Uganda

So ist die Flüchtlingssituation genauso ein Thema für ihn wie der bedrohlich um sich greifende Rechtspopulismus und das Gender-Mainstreaming. Bei seinem Auftritt im Kulturhaus Osterfeld lässt der „Mann mit Melanin-Überschuss“, wie er sich selbst augenzwinkernd nennt, sein Publikum teilhaben an seinen Gedanken und an seinem Leben. Er erzählt Geschichten von seinem multikulturellen Freundeskreis, von seinen ugandischen Wurzeln und fragt, woran es eigentlich liegt, dass die Menschen in Deutschland so unzufrieden sind trotz des großen Wohlstands, in dem sie leben. Keine leichte Frage.

Aber vielleicht liegt es ja gerade an diesem Wohlstand, am Kapitalismus überhaupt und daran, dass materielle Güter so wichtig sind. „Die Leute wissen oft gar nicht, wie wertvoll sie sind“, meint Davis. Deswegen versteht er nicht, warum sich manch einer einen Geländewagen für die Innenstadt kauft, obwohl es dort keine Büffelherden gibt. Und er begreift nicht, warum sich das weibliche Geschlecht an superschlanken Models orientiert. „Die Frauen in manchen Zeitschriften sind so dünn wie der Mikrofonständer und das sind schon die „Plus-Size-Models“. So richtig ärgert ihn aber, dass Merkel gesagt hat, Multikulti sei tot. Für ihn ein Schlag ins Gesicht. Überhaupt weiß er nicht, was er von der Kanzlerin „im Fieberglasanzug“ halten soll. Für kompetent hält er sie aber schon. „Weil hochgeschlafen hat die sich bestimmt nicht.“

Auch wenn Davis ein gespaltenes Verhältnis zu Merkel hat, glaubt er, sie werde unterschätzt. „Wenn die mal ein Auge zudrückt, dann nur, weil sie zielen will.“ Auch Davis zielt und trifft mit seinen Pointen den Nerv des Publikums. Er philosophiert über eckige Kreißsäle, macht sich über „Seehofers Zeugen“ von der CSU lustig und wenn ihm danach ist, dann setzt er sich ans Klavier, und fängt mit Udo Lindenbergs Stimme an zu singen. Überhaupt liegt ihm das Nachahmen. Davis imitiert verschiedene Dialekte und kommt zu dem Schluss: „Bairisch ist keine Sprache, sondern Rinderwahnsinn im Endstadium.“ Dann doch lieber badisch. Auch wenn der selbsternannte „Afro-Teutone“ das Wort „Schpätzlesbeschteck“ nicht aussprechen kann, liebt ihn das Publikum. Immer wieder bezieht Davis die Zuschauer mit ein und attestiert ihnen, sie seien „ein guter Acker“ gewesen. Eines wird an diesem Abend deutlich: Davis hat sich neu erfunden. Und das steht ihm gut. Findet auch das Publikum und spendet viel Applaus.