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Kraftvoll und variabel: die aus Polen stammende Kinga Glyk. Foto: Frommer
Kraftvoll und variabel: die aus Polen stammende Kinga Glyk. Foto: Frommer
09.11.2018

Der Bass singt, summt und groovt: Jazz-Musikerin Kinga Glyk im Osterfeld

Pforzheim. Begriffe wie „Bass-Wunderkind“ begleiten Kinga Glyk. Attribute wie „jung, hübsch und hochtalentiert“ auch. Alle Phrasen vernachlässigen aber das Wesentliche: Die 20-jährige Polin versteht es, wie keine zweite Jazz-Musikerin, ihrem E-Bass eine ungemein feine, melodische Stimme zu verleihen. In ihren Händen singt, summt und groovt und der Fender-Jazz-Bass mit scheinbarer Leichtigkeit, dass ihr die Fans im Kulturhaus Osterfeld rasch zu Füßen liegen.

Auch den im Klang deutlich trockeneren Greco-Gibson-Nachbau bearbeitet sie derart virtuos, dass schon bei den ersten, kurzen Licks selbst langgehegte Zweifel an seiner Jazz-Tauglichkeit wie Seifenblasen zerplatzen. Als Zugabe ihres Konzerts im Malersaal zelebriert Kinga Glyk jenen Titel, der sie in den sozialen Netzwerken weit über die Grenzen Polens hinaus bekannt gemacht hat: Eric Claptons ergreifende Ballade „Tears In Heaven“. Glyk spielt sie im Schneidersitz, ganz nahe am mucksmäuschenstillen Publikum, alleine und unaufgeregt, als atemberaubendes Bass-Solo voller Höchstschwierigkeiten. Ein atemberaubender Moment. Überzeugt hat die Frontfrau aus Katowice bereits zuvor, assistiert von exzellenten Musikern: Pianist und Keyboarder Pavel Tomaszewski aus Gostynin, Polen, und Schlagzeuger David „Fingers“ Hayens aus Columbia, South Carolina.

Im Gepäck hat das Trio Jazz mit vielfältigen Funk- und Blues-Elementen, vor allem Kompositionen von Kinga Glyk, wie das mit erstem Szenen-Applaus bedachte „Walking Baby“ oder den Titel „Dream“ vom gleichnamigen und jüngsten Album. An Bass und Schlagzeug werden alle nur erdenklichen Spieltechniken eindrucksvoll vorgeführt. Drummer Hayens weiß ganz genau, wo man Akzente setzt. Er dient seiner Solistin mit höchster Aufmerksamkeit. Den Augenkontakt lässt er nie abreißen, auch nicht, als er bei einem Intro an einer minimalistischen Drum Machine mit nur zwei Fingern (daher sein Spitzname) zupackende Grooves aufs Parkett zaubert, für die andere das ganz große Besteck benötigen würden.

Kinga Glyk spielt geschmeidig, kraftvoll und jederzeit variabel. Sie beherrscht ihr Instrument, ohne damit zu protzen. Selbst das rasante und perkussive „Double-Thumbing“ beim vorletzten Stück „Dream“ nutzt sie eher en passant. Und sie bindet das Publikum ein: Der Saal wird aufgefordert, die Bassfiguren nachzusingen. Auch das gelingt bei diesem in jeder Sequenz hörenswerten Konzert. Selbst der von Glyk verehrte und viel zu früh ums Leben gekommene Jaco Pastorius (1951-1987) hätte an diesem Gig seine helle Freude gehabt.