nach oben
Im Osterfeld trägt Abdelkarim Glatze und Vollbart. Das verleihe ihm „das gewisse salafistische Etwas“.  Frommer
Im Osterfeld trägt Abdelkarim Glatze und Vollbart. Das verleihe ihm „das gewisse salafistische Etwas“. Frommer
08.02.2016

Der Comedian Abdelkarim begeistert im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Treffsicher und ironisch: Abdelkarim, deutsch-marokkanischer Comedian, hat zum dritten Mal mit seinem Solo-Programm „Zwischen Ghetto und Germanen“ im Kulturhaus Osterfeld gastiert. Erneut vor fast ausverkauftem Saal. Und mehr als ein Mikrofon, eine Jogginghose, die er zu T-Shirt mit Kickbox-Motiv und schwarzer Lederjacke trägt, braucht er für seinen Auftritt immer noch nicht.

Am Bahnhof, so eröffnete Abdelkarim (34), erkenne man „den Ghetto-Faktor einer Stadt“. Und was den betreffe, läge Pforzheim ja ziemlich weit vorne. Als er dort mit dem Hinweis „Ich bin nicht von hier“ nach dem Weg gefragt habe, sei ihm knapp beschieden worden: „Sieht man. Sie sind aus der Nordstadt.“ Die ersten Lacher hat er schon jetzt auf seiner Seite.

Der aus Bielefeld stammende Abdelkarim Zemhoute bindet die Zuschauer im Kulturhaus von Anfang an humorvoll ein: Er erkundigt sich stichprobenartig nach deren Namen und Alter. Beim Jüngsten im Saal hakt er nach, ob er aus eigenem Antrieb oder auf Wunsch seiner Eltern im Saal ist. Und einen jungen Iraker in der ersten Reihe überrascht er mit der provokanten Frage: „Guter oder böser Iraker?“

Ein Blick, der schweigen macht

Zur Glatze trägt Abdelkarim Vollbart. Der habe sich bewährt, erläutert der Komiker und rollt die Augen, er verleihe ihm „das gewisse salafistische Etwas“. Er vergisst natürlich auch diesmal nicht zu erwähnen, dass bohrender Blick und schwarzer Bart schon eine sehr mitteilsame Zuschauerin zum Schweigen gebracht habe. Und, dass ihr (deutscher) Mann sich nach der Vorstellung bei ihm bedankt habe und wissen wollte, wie dieser Blick gehe. Auch dieser inzwischen etwas in die Jahre gekommene Gag wirkt beim Pforzheimer Publikum.

Er selbst, so fährt Abdelkarim fort, wohne inzwischen in Duisburg. Das hätte Vorteile, denn: „Duisburg ist seit zwei Jahren die Hauptstadt der Rumänen.“ Es gebe dort inzwischen sogar Döner mit Zigeunersoße. Und: „Seither schätzen die Deutschen dort wieder die Türken.“ Wer dort, wie er, eine Wohnung suche, könnte erleben, dass Fenster geöffnet werden und gerufen werde: „Sind Sie Türke, hier können Sie einziehen.“ Und auch seine Antwort: „Nicht ganz, Marokkaner“ habe die Vermietung nicht behindert. Einen Nachteil aber gibt es: „Mittlerweile wollen die Leute von mir wissen, ob ich Silvester auch in Köln war.“

Die Chance, sein Programm an dieser Stelle um eine „Nach-Köln“-Variante zu bereichern, lässt Abdelkarim ungenutzt verstreichen. Er punktet aber wieder mit Gags wie dem Kahn-Poster, das er in seinem Kinderzimmer hängen hatte, um „Gespenster zu verjagen“ oder der Schilderung des Urlaubs mit seinen Eltern: „Jedes Jahr sind wir mit dem Golf 1 nach Marokko gefahren. Einziger Nachteil: Mein Vater dachte, das ist ein Neunsitzer!“

Abdelkarim wurde 2015 als „Senkrechtstarter“ mit dem Bayrischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Er moderiert die Reihe „StandUpMigranten“ (EinsPlus) und war in der „Anstalt“ (ZDF) und bei „Alfons“ (ARD) zu Gast. Sein Solo-Programm hat eine ganz eigene selbstironische Qualität. Die diesmal im Kulturhaus Osterfeld gewählte Wiederholung der Eröffnung im Applaus heischenden Stil Ingo Appelts hat er eigentlich nicht nötig.