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Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim spielt gemeinsam mit der Gruppe Spark Chiel Meijerings „Kiss of Fire“, das dem jungen Quintett gewidmet ist. Foto: Keller
Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim spielt gemeinsam mit der Gruppe Spark Chiel Meijerings „Kiss of Fire“, das dem jungen Quintett gewidmet ist. Foto: Keller
14.11.2017

Der Funke wird zum Feuerwerk: SWDKO musiziert mit Spark

Pforzheim. Es war ein Musikvergnügen der besonderen Art. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim lud für sein jüngstes Konzert im CongressCentrum eigenwillige Gäste ein: Die renommierte „Klassik Band“, die unter ihrem programmatischen Namen „Spark“ Funken erzeugen und dadurch den konventionellen Musikbetrieb befeuern will. Eine gute Idee, wie der große Erfolg des Abends bestätigte. Denn die fruchtbare Mischung der künstlerischen Temperamente im Umgang mit der Musik zeitigte hörenswerte, durch Kreativität und Spielfreude beflügelte Ergebnisse, die auch eingefleischte Freunde des etablierten Konzertwesens überzeugten.

Dabei begann der Abend ganz unverdächtig mit der Streicher-Suite zu Purcells Oper „Dido und Aeneas“. Chefdirigent Timo Handschuh ließ in seiner eigenen Fassung der Stücke das weite Spektrum von Empfindungen ertönen, das hier von der getragenen Ouvertüre bis zum Allegro des Finales farbenreich ausgemalt ist. Eindringlich gelang dabei der Kontrast zwischen dem hitzigen „Feuertanz“ und dem Larghetto, in dem der trauernde Aeneas in ergreifendem Lamento den Tod seiner Geliebten beklagt und das selbst in der instrumentalen Besetzung das flehende „Remember me“ der Vorlage durchklingen lässt.

Rasanter Bach

Ganz auf Virtuosität war dagegen die schön kalkulierte Umsetzung von Bachs drittem „Brandenburgischen Konzert“ angelegt, das vom verringerten Ensemble des SWDKO zur Erhöhung der dynamischen Wirkung im Stehen ausgeführt wurde. Handschuh schlug ein betont rasantes Tempo vor, das im Allegro des ersten Satzes den mäßigenden Zusatz „moderato“ überging und die Musiker zu äußerster Bravur nötigte. Im Zusammenspiel der beiden Geigen (Michael Ewers und Andrzej Brzecki) mit der Bratsche (Dariusz Wasiak) führte das zu einem atemberaubenden Husarenritt, bei dem die prägnante Ausformulierung der einzelnen Stimmen oft ein wenig zurückstehen musste hinter der Brillanz der forcierten Geschwindigkeit. In diesem Wirbel nahm sich das solistische Adagio der Überleitung, das von Martin Zimmermann am Cembalo mit souveräner Ruhe gespielt wurde, wie eine klug arrangierte Spannungspause aus, die im zweiten Satz in ein neuerliches Allegro mündete.

In atemberaubende Dimensionen geradezu zirzensischer Höchstleistung stieß Vivaldis Konzert für Flautino und Streicher vor. Daniel Koschitzki erwies sich als nachgerade sportiver Meister auf der heiklen Sopranino-Flöte, die nicht nur perfekte Fingerfertigkeit, sondern auch absolute Beherrschung des Atems verlangt. Der rasante erste Satz wurde zu einem mitreißenden Bravourstück, gefolgt von einem berückend lyrischen, schmelzenden Largo, das zu dem mit Verve vorgetragenes Allegro molto des Finales eine wirkungsvolle Folie bot.

Grenzüberschreitungen

Besondere Leckerbissen bot das Programm nach der Pause, als sich die Gruppe Spark zum Konzert mit dem SWDKO einfand. Das fünfköpfige, junge Ensemble, das zwei Flöten (Daniel Koschitzki und Andrea Ritter), Geige (Stefan Balazsovics), Cello (Victor Plumettaz) und Klavier (Arseni Sadykov) vereint, hat sich der kühnen Gratwanderung zwischen unterschiedlichsten Stilen, Richtungen und Traditionen verpflichtet. Was die Solisten dieses sympathischen Quintetts verbindet, ist die Freude an pointierter Grenzüberschreitung, die sich in dem zugeeigneten Stück „Kiss of Fire. Konzert für SPARK, Kammerorchester und Percussion“ von dem niederländischen Komponisten Chiel Meijering weidlich austobt. Das Werk verknüpft in loser Folge Aspekte der Liebe – ob im tosenden Konflikt von „Love and hate“, im schwärmerischen „I’ve loved and I’ve been loved“, im lyrischen „When the party is over“ oder im gewalttätigen „When love comes knocking“. In der vielfältigen Komposition, die den einzelnen Instrumenten reiche Möglichkeiten zu klanglichen Nuancen und den grandiosen Solisten schöne Momente der effektvollen Profilierung bietet, lassen sich reichhaltige Einflüsse wahrnehmen – von illustrierender Filmmusik bis zu hämmerndem Beat, von impressionistischer Tonmalerei bis zu minimalistischen Klangflächen, oder gar zu Anklängen an Ohrwürmer wie Rimsky-Korsakovs beliebten „Hummelflug“.

Prächtiger Klangteppich

Diese irisierende Fülle verbindet sich zu einem Panorama von wuchtigen Akzenten und zarten Passagen, zu dem das einfühlsame SWDKO einen prächtig kolorierten Klangteppich ausbreitete. Das gepackte Publikum spendete den Mitwirkenden enthusiastischen Beifall und erzwang eine Zugabe.