nach oben
Zurückgelehnt, die Arme verschränkt – Rolf Millers typische Pose. Foto: Roller
Zurückgelehnt, die Arme verschränkt – Rolf Millers typische Pose. Foto: Roller
09.02.2018

Der Herr der Dinge: Rolf Miller im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Ein Kopfnicken, ein mit ernster Stimme und verschränkten Armen in den Raum geworfenes „So isch des“, ein großer Schluck aus der Plastikwasserflasche, und dann geht es weiter. Rolf Miller sagt im Kulturhaus Osterfeld viel und doch nichts. Zwei Stunden lang sitzt er breitbeinig auf seinem Stuhl und erzählt aus seinem Leben, aus dem Leben seiner fiktiven Freunde und von früher, von seiner Zeit, von den 1980er-Jahren, als „Black Sabbatz“ dick im Geschäft waren.

Als man sich im Fernsehen beim „Siebten Sinn“ die Welt erklären lassen konnte und bei „Miami Vice“ „zwei Vollspacken“ beim Ermitteln zugeschaut hat. Gegessen hat man, „was da war“. Im Kino liefen „Das Boot“ mit Grönemeyer und Filme, in denen Bud Spencer und Terence Hill, „die zwei glorreichen Sieben“, ihre Gegner ordentlich verdroschen haben.

Und heute? Da fragt man auf N24, ob Hitler wirklich der Führer war. Da gibt es Veganer mit „Ingwer-Gesicht“, in den Discos dudelt „seit 30 Jahren der gleiche Mist“, nämlich Techno, und die Menschen versuchen sich an Sudokus, an „Kreuzworträtseln für Leute, wo nix wissen“. Nicht das einzige Thema, über das sich Miller in seinem breiten fränkischen Dialekt aufregen kann. Er gönnt sich keine Pause, redet über Dating-Portale im Netz, über den „Türken-Kapo“ Erdogan, über Selfies, Donald Trump, die nordkoreanische „Brühbirne“ Kim Jong-Un, die AfD, über Martin Schulz, Cem Özdemir und Uli Hoeneß.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 findet in Katar statt, im Herbst, „damit die Spieler nicht verdampfen“. Momentan geht Olympia über die Bühne, die „internationalen Doping-Festspiele“. Miller ist schonungslos, wenn er seine Sicht der Dinge verbreitet. Rücksichtnahme und Zurückhaltung kennt er nicht. Braucht er nicht. Er legt lieber den Finger direkt in die Wunde. Er redet über „den Dings, den Dings halt“ über „die Dinger“, über „das Ehren-Ding“ und wenn er nicht mehr weiter weiß, dann hört er einfach mitten im Satz auf. Mut zur Lücke, denn: Wie heißt es so schön? „Reden ist Schweigen, und Silber ist Gold.“ Oder so ähnlich. Und überhaupt: „Man darf nicht alles glauben, was man denkt.“

Millers Analysen sind zwar mitunter recht einfach gestrickt, aber es ist viel Wahres in ihnen. Mit seinen nicht enden wollenden Monologen bringt er das Publikum im Sekundentakt zum Lachen. Bevor er am Ende nach stürmischem Beifall seine Zugabe spielt, macht er seinen Zuhörern noch ein Kompliment: „Sie waren sehr schön.“