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Gerhard Richters monumentales „Birkenau“ ist in Baden-Baden zu sehen.  Deck
Gerhard Richters monumentales „Birkenau“ ist in Baden-Baden zu sehen. Deck
05.02.2016

Der Holocaust als Abstraktion – Gerhard Richter in Baden-Baden

Baden-Baden. Es sind vier Schwarz-Weiß-Fotos, die das Grauen festhalten: Nackte Frauen auf dem Weg in den Tod, Menschen, die in den Gaskammern der Nazis getötet wurden. Es sind heimliche Fotografien, die ein jüdischer Häftling 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gemacht hat und die unter Lebensgefahr herausgeschmuggelt wurden.

Es sind diese Bilder, die die unerträgliche Wahrheit dokumentieren. Und es sind dieselben, die der Maler Gerhard Richter an der Wand im Kölner Atelier hat – und die Grundlage für ein abstraktes vierteiliges Monumentalwerk sind, das er „Birkenau“ nennt.

Die Tafeln sind Mittelpunkt einer Schau, die von heute an bis zum 29. Mai im Museum Frieder Burda zu sehen ist. Gerhard Richter hat sich lange mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Wie sehr, das belegen in Baden-Baden unzählige kleine Schwarz-Weiß-Fotos aus Konzentrationslagern und Skizzen, die er seit den 1960er-Jahren sammelt.

Trotz einiger Anläufe, auch bei der Gestaltung des Bundestags: In die Malerei hat Richter das Thema erst mit „Birkenau“ umgesetzt. „Es hat gedauert, bis ich die richtige Form gefunden habe“, drückt es Richter aus. 2014 greift er zum Pinsel und übermalt die Gräuel. Wieder und wieder. In düsteren Farben: schwarz, grau, dunkel-rot, schmutzig-grün. Bis die Scheiterhaufen mit den Leichen nicht mehr zu erkennen sind. „Ich habe abstrakt gemalt, weil diese Fotos unübertroffen sind – ich kann es nicht besser“, erklärt er in Baden-Baden seine Malweise.

Susanne Kupke