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26.02.2016

Der Japaner Takashi Hiraide stellt beim „Sprachsalz“-Festival seinen Erstlingsroman vor

Pforzheim. Das internationale Literaturfestival „Sprachsalz“ findet von 6. bis 8. Mai erstmals in Pforzheim statt. Dahinter steckt ein ganz besonderes Konzept, das allen Besuchern kostenfrei Zugang zu zeitgenössischer Literatur aus verschiedensten Ländern bietet. Veranstaltungsort ist das „Parkhotel“, in dem die Autoren auch übernachten werden. So haben die Besucher die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre mit den Literaten beispielsweise an der Hotelbar ins Gespräch zu kommen. Die PZ stellt in den kommenden Wochen einige der lesenden Schriftsteller vor.

Der Autor: Takashi Hiraide, 1950 in Japan geboren, begründete 1974 mit Kawano Michiyo, die er später heiratete, den Verlag „Shoki shorin“. 1998 wurde er an die Freie Universität Berlin eingeladen und hielt am Japanologischen Seminar Vorlesungen über die Poesie der Gegenwart. Er hat zahlreiche Gedichtbände und Essays veröffentlicht. In Japan längst als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren mit vielen Preisen ausgezeichnet, in den USA und England in den Bestsellerlisten angelangt, ist Hiraide im deutschsprachigen Raum noch immer ein Geheimtipp.

Das Buch: „Der Gast im Garten“, das ist die Katze Chibi, die eines Tages das beschauliche Leben eines kinderlosen Ehepaars verändert. Am Rande der lärmenden Großstadt Tokio haben sie ein kleines Haus mit Garten bezogen. Hiraides Katze streunt durch den Garten, nimmt sich alle Katzenfreiheiten, tollt mit Schmetterlingen herum, räkelt sich genüsslich im Schatten. Sie hellt kurz den Alltag des Ehepaares auf, und bevor man begreift, was passiert ist, ist sie auch schon wieder verschwunden. Das ist auch schon alles, was Hiraide in seinem Erstlingsroman benötigt, um dem Leser beinahe vorsichtig die Spielchen um Macht, Anerkennung, Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Freiheitsdrang vor Augen zu führen („Der Gast im Garten“, Insel Verlag, 133 Seiten, 14 Euro).

Der Schreibstil: „Aus dem tiefsten Grund der Poesie erschafft Hiraide eine neue Prosa. Sein Werk leuchtet“, sagt der Literatur-Nobelpreisträger und Schriftstellerkollege Kenzaburo Oe über das Schaffen von Hiraide. Die „New York Times“ schreibt: „Sprache und Beschreibungen sind bedacht, elegant und wunderschön; vordergründig handelt Hiraides Roman von einer Katze, doch im Grunde geht es um Raum und Besitz.“

Das Zitat: „Wenn Chibi sich müde gespielt hatte, kam sie ins Haus, um sich auszuruhen. Das erste Mal, als sie zusammengerollt auf dem Sofa einschlief, hielt eine tiefe Freude Einzug, als habe das Haus selbst sich diese Szene erträumt.” (Seite 19 im „Der Gast im Garten“)

Die Lesung: Hiraide ist, außer bei seinen beiden Lesungen in Pforzheim, in diesem Jahr fast nirgends zu hören oder zu sehen. Bei der Lesung ist es möglich, in eine verzaubernde Sprache abzutauchen, den Text in seiner Muttersprache zu hören und ihn anschließend auf Deutsch von einem Schauspieler vorgetragen zu bekommen.