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Statt im im Luft- und Sonnenbad, wo die Fotos entstanden, fand „Die seidene Leiter“ mit Eugenio Di Lieto als Blansac, Emmanuel Franco als Germano, Michele Angelini als Dorvil und Claudia Urru als Giulia (von links) in der „offenen Halle“ beim Sportplatz Marienruhe statt.  Foto: Pfeiffer Photodesign 

Der Komik Zügel angelegt: Premiere der Oper „La scala di seta“beim Festival „Rossini in Wildbad“

Bad Wildbad. Mit der schnellen und witzigen Farsa comica „La scala di seta“ wollte das Rossini-Festival in Bad Wildbad so richtig Fahrt aufnehmen. Doch was als geplante Opern-Aufführung im Luft- und Sonnenbad Lust auf historischen Charme gemacht hatte – wobei sich die abseitige Lage der Spielstätte als durchaus problematisch entpuppte – endete wetterbedingt in der „offenen Halle“ beim Sportplatz Marienruhe. Eine gemeisterte logistische Herausforderung für die Beteiligten, Akustik und Ambiente blieben allerdings auf der Strecke.

Musikalisch glücklich machten aber die Stimmen der Solisten und das wunderschön sauber spielende und schwungvoll von Jose Miguel Perez-Sierra geleitete Philharmonische Orchester Krakau.

Geheimnisse, Intrigen, Verstecken und Auflösung – „La scala di seta“ ist ein quirliges, fast burleskes Stück, ein wenig Commedia dell’arte auf der Opernbühne, durchaus auch mit Berührungspunkten zu einer modernen Sitcom oder Fernseh-Soap. Für die zwei Sängerinnen und vier Sänger der sechs Partien ein breites, wirbelnd-witziges Darstellungsfeld, wenn ihnen die Regie den Raum dazu gegeben hätte. Das Komische habe seine ganz eigene, bedeutende Würde, hat Regisseurin Stefania Bonfadelli im Programmheft angemerkt – eine Basis, die offenbar zu viele Zügel anlegt.

Denn herausgekommen ist eine eher brave Inszenierung ohne prickelnde Leichtigkeit und originelle Ideen. Nur selten leuchten spielerische Element analog zu Rossinis mitreißend heiterer Musik auf, leichtfüßige Turbulenz in all dem verwickelten Liebes- und Intrigen-Durcheinander zu finden fällt schwer. Man mag es der Regisseurin zugutehalten: Die Guckkastenbühne in der Halle, die zudem mit der Projektion des überdachten Gangs im Luft- und Sonnenbad auf ihre Rückwand völlig zugestellt wirkte, bietet wenig Bewegungs- und Spielfläche.

Sänger setzen Glanzlichter

Trotzdem brachte der Abend Spaß – der musikalische Teil machte einiges von dem wett, was sich dank einer eher erzählerischen Spielweise und fehlender temporeicher, szenischer Höhepunkte als Länge einschlich. Die leicht frivole Wohngemeinschaft, in der ein von der Regisseurin merkwürdigerweise in den Rollstuhl verbannter und mit extrem störender Klingel und Pistole ausgestatteter Vormund (Remy Burnens) das Sagen hat, bot insgesamt eine beachtenswerte gesangliche Virtuosität. Giulia (Claudia Urru), die ohne Wissen ihres Onkels Dorvil geheiratet hat, setzt ihre perlenden Koloraturen mit großer Sicherheit und viel Gefühl, während ihr Ehemann (Michele Angelini) mit einem geschmeidigen und kraftvollen Tenor, der auch in den Höhen trägt, der Aufführung Glanzlichter aufsteckt.

Es fällt ein bisschen schwer, Eugenio Di Lieto als geckig selbstverliebtem Eheanwärter Blansac seinen Schlag bei Frauen zu glauben – immerhin könnte sein stimmliches Format mit einschmeichelndem Timbre diese Aufgabe unterstützen. Er bekommt am Ende Giulias gar nicht so zurückhaltende Cousine Lucilla (Meagan Sill), die ihren Sopran sauber und sicher führt, von der Regie aber zu recht klischeehaften Verführungskünsten genötigt wird. Ein Höhepunkt allerdings, der zeigt, wie das ganze Stück die richtige Richtung genommen hätte: die kurze turbulente Szene zwischen Lucilla und dem betörten Blansac. Bleibt noch der trottelige Bedienstete Germano (Emmanuel Franco) – eigentlich ein Dreh- und Angelpunkt der Verwechslungen und Verwirrungen, der aber trotz seiner tragfähigen, warmen Stimmlage der Figur nicht das ihr zustehende Gewicht zu verleihen vermag. Das Publikum war entzückt und sparte nach dem opulenten Finale nicht mit Beifall.

Die weiteren Termine

Die Oper „La scala di seta – Die seidene Leiter“ am Freitag, 16. Juli, und Donnerstag, 22. Juli, nochmals aufgeführt. „Elisabetta, regina d’Inghilterra – Königin von England“ steht erneut am Samstag, 17. Juli und Mittwoch, 21. Juli, auf dem Programm. Die moderne, konzertante Erstaufführung der einst sehr erfolgreichen Oper Le philtre – Der Liebestrank“ von Daniel Francois Esprit Auber aus dem Jahr ist am Donnerstag, 15. Juli und am Samstag, 24. Juli, zu erleben.

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