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Jonathan Meese gefällt’s: der Künstler mit Ring (rechtes Bild in der Vergrößerung) und Anhänger. Foto: Kraus
Jonathan Meese gefällt’s: der Künstler mit Ring (rechtes Bild in der Vergrößerung) und Anhänger. Foto: Kraus
Gemeinsames Projekt: Peter Kraus (links) und Robert Eikmeyer. Foto: Ketterl
Gemeinsames Projekt: Peter Kraus (links) und Robert Eikmeyer. Foto: Ketterl
03.03.2017

Der Meese-Ring – made in Pforzheim

Pforzheim. So geht es normalerweise: Man nehme einen Promi, lasse ihn ein paar Schmuckstücke zeichnen und bastle daraus eine Kollektion. Doch soetwas lässt sich mit einem, der für die „Diktatur der Kunst“ lebt, nicht machen. Und dennoch gibt es jetzt Ring und Anhänger des international renommierten Künstlers Jonathan Messe. Wie und vor allem wo das geht? Natürlich in Pforzheim.

Doch da muss eines zusammenkommen: Freundschaft. Jonathan Meese und Robert Eikmeyer, der Ausstellungen des Künstlers kuratiert und ihn auch zu einem Vortrag an die Hochschule Pforzheim lockte, arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Gerade an einer Bild-Vinylplatte für Eikmeyers Künstlerkollektiv und Schallplattenlabel Brigade Commerz. Noch länger ist der Kunstwissenschaftler dem Grafiker und Geschäftsführer der Firma B.H.Mayer’s IdentitySign Peter Kraus beruflich und freundschaftlich verbunden. Gemeinsam entstand beispielsweise die Anstecknadel des britischen Künstlers Liam Gillick.

Nun also Meese. Und das erweist sich als unerwartet kompliziert: Von der rund 40 Zentimeter hohen Skulptur „Baby-Wolf“ soll ein 3-D-Scan gemacht werden, um den in der Verkleinerung als Anhänger zu realisieren. Doch die Skulptur aus Gips und Perlen ist fragil und extrem detailreich. „Das lässt sich nicht so einfach in Schmuck übersetzen“, sagt Kraus. Gemeinsam mit Eikmeyer fährt er zu Meese nach Berlin, bringt die Skulptur mit nach Pforzheim und lässt sie dreidimensional scannen. „Dann war die Lösung klar: Wir verwenden nur einen Teil der Skulptur für einen Ring.“ Die dekonstruierte Skulptur wird dann auf einem 3-D-Plotter ausgedruckt. Und ab jetzt nimmt die Schmuckproduktion mit modernsten technischen Verfahren ihren Lauf. Doch was diesen Ring und den gleichartigen Anhänger so spannend und einzigartig macht: „Hier ist eine Konzentration spürbar, die von einer unverkrampften künstlerischen Herangehensweise zeugt“, sagt der Grafiker. Nicht der Blick auf den Schmuckmarkt war ausschlaggebend, sondern allein der schöpferische Vorgang.

„Ein Wagnis“, sagt Kraus im Rückblick, „verbunden mit einem enormen Aufwand.“ Und: „Ich habe das Gefühl, es funktioniert.“ Jonathan Messe auf jeden Fall ist begeistert, als ihm die beiden Pforzheimer den Prototyp auf der Art Karlsruhe zeigen. „Es war auch für ihn spannend, zu erleben, wie seine Skulptur zerstückelt und neu zusammengesetzt werden kann, ohne dass sie an Aussagekraft verliert“, schildert Eikmeyer. Meese hat auch gleich einen Titel für die Arbeit parat: „Der Kunst-Wolf frisst alle Opportunisten.“

Und er ist positiv überrascht, wieviel Meese in diesem Schmuckstück steckt, wie sich der Duktus seiner Skulptur in ein so kleines Schmuck-Kunstwerk übertragen lässt. Natürlich muss der Ring aus Silber sein. Denn Meese, großer Fan der Grusel-Heftromanreihe John Sinclair, ist klar: Wer den Werwolf töten will, braucht Silberkugeln. 23 Ringe und 23 Anhänger – eine magische Zahl für Meese – werden hergestellt. Jeweils zehn davon gehen an ihn direkt. Und für die 13 Ringe und Anhänger, die ab Mai online bei der Brigade Commerz zu erwerben sind, dürften sich weltweit nicht nur Fantasy-Freunde, sondern auch viele Meese-Fans interessieren.