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Die „Topografie des Terrors“ ist eine der wichtigsten Gedenkstätten. Insgesamt kamen rund 13 Millionen Besucher. Foto: Zinken
Die „Topografie des Terrors“ ist eine der wichtigsten Gedenkstätten. Insgesamt kamen rund 13 Millionen Besucher. Foto: Zinken
05.07.2017

Der Ort der Erinnerung

Berlin. Trotz des schweren Starts hat sich die Berliner „Topografie des Terrors“ zu einer Attraktion entwickelt. Das Dokumentationszentrum zeigt die Gräuel der NS-Zeit.

Es ist ein zentraler Ort der Erinnerung an den Nationalsozialismus in Berlin: Das Dokumentationszentrum „Topografie des Terrors“ zeichnet in seinen Ausstellungen Funktionsweise und Struktur des NS-Herrschafts- und Vernichtungsapparats nach. Heute feiert die Ausstellung auf dem Gelände der früheren Zentralen von SS und Gestapo den 30. Geburtstag – nicht als Gedenkstätte, sondern als „Ort der Täter“, wie der frühere Wissenschaftliche Leiter, Reinhard Rürup, zum Jubiläum sagte.

Das 1987 aus einer Initiative von Bürgern entstandene Haus hat in drei Jahrzehnten knapp 40 Wechselausstellungen gezeigt – neben der Dauerausstellung, die auf 1000 Quadratmetern für Besucher aus aller Welt einen Einblick in die Machtstrukturen des NS-Regimes und die Folgen des Terrors gewährt. Mehr als 13 Millionen Menschen haben seitdem die Ausstellungen besucht.

Von 1933 bis 1945 lagen auf dem Gelände das Geheime Staatspolizeiamt mit eigenem „Hausgefängnis“, die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst (SD) der SS und während des Zweiten Weltkriegs auch das Reichssicherheitshauptamt. Durch die Teilung der Stadt rückte das Gelände dann mit der Kriegsruine an den Rand West-Berlins.

Anlass zur Gründung der „Topographie“ war die 750-Jahr-Feier in West-Berlin. Als im Martin-Gropius-Bau eine mit Originalobjekten bestückte Berlin-Ausstellung geplant war, beschlossen Rürup, der Volkskundler Gottfried Korff und ihre Mitstreiter, auf dem angrenzenden Areal einen Kontrapunkt gegen die „auf Hochglanz polierte Sonnenseite der Berliner Geschichte“ zu setzen.

Unter den Schutthügeln des 47.000 Quadratmeter großen Geländes lagen noch die Reste des Prinz-Albrecht-Palais. Eine Versuchspiste für Fahrschüler und ein kleiner Wald gehörten dazu. Das Gebiet sollte das Fundament bieten für eine Ausstellung neuen Typs, wie der heutige Direktor, der Historiker Andreas Nachama, in der Jubiläumsschrift erklärt: „die sachliche Dokumentation durch schriftliche Dokumente oder Fotografien.“

Hätte man sich nach den damaligen Ausstellungsstandards gerichtet, wären Dokumente, Uniformen, Schreibmaschinen mit SS-Sondertaste, Gestapo-Dienstmarken, inszenierte Zellen oder Vernehmungsbüros gezeigt worden – „ein NS-Panoptikum“, wie Nachama sagt.

So entwickelte sich aus dem Provisorium direkt an der Berliner Mauer einer der meistbesuchten Erinnerungsorte der Hauptstadt. Während sich zu Beginn die Besucher nur an Wandtafeln in den früheren Folterkellern informieren konnten, eröffnete 2010 das neue Ausstellungshaus. Ein erster filigraner Rohbau nach einem Entwurf des Schweizers Peter Zumthor war aus technischen Gründen abgerissen worden.

Gebaut wurde schließlich nach Plänen der Architektin Ursula Wilms und des Landschaftsarchitekten Heinz Hallmann. Dabei ragt das Hauptgeschoss über dem Gelände heraus, das Sockelgeschoss ist vollständig eingesenkt. Von allen Seiten ist das Ausstellungshaus von silberfarbenen Metallstäben umgeben.