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In der Doppelrolle des Theaterdirektors Striese und seiner Frau Luise überzeugt Katharina Thalbach (hier mit Ronny Miersch als Sterneck).  Molnar
In der Doppelrolle des Theaterdirektors Striese und seiner Frau Luise überzeugt Katharina Thalbach (hier mit Ronny Miersch als Sterneck). Molnar
08.12.2016

„Der Raub der Sabinerinnen“ mit Katharina Thalbach als überdrehte Komödie

Remchingen. Die Zuschauer sind wegen ihr gekommen, flüstern leise „Das ist sie“, als Katharina Thalbach als dickwanstiger Theaterdirektor Striese die Bühne betritt. Die Schauspielerin ist fast nicht wiederzuerkennen.

Mit geölter Scheitelfrisur, karierter Hose und Zwirbelbart gibt sie ein clowneskes Erscheinungsbild ab. Spätestens aber, wenn die sächselnde Berlinerin mit ihren großen Augen spitzbübisch funkelt und mit ihrer Reibeisenstimme parliert, dann ist die große Katharina Thalbach ganz in ihrem Element.

Als Regisseurin und Darstellerin in der Doppelrolle des Emanuel Striese und dessen Frau Luise ist sie bei der Aufführung des Komödienklassikers „Der Raub der Sabinerinnen“ von Franz und Paul von Schönthan in der Kulturhalle Remchingen in mehrfacher Funktion zu erleben. Und damit nicht genug, hat sie noch ihre Enkelin Nellie als Professoren-Nesthäkchen Paula Gollwitz mitgebracht. Wenn das Gastspiel ein paar Tage später stattgefunden hätte, wäre sogar Thalbachs Tochter Anna in der Rolle von Paulas Schwester Marianne Neumeister zu sehen gewesen, sie wird in Remchingen von Nadine Schori gespielt.

Um was es geht, ist schnell erzählt: Gymnasialprofessor Martin Gollwitz hat in seiner Studienzeit eine Römertragödie geschrieben, die der „Schmierentheater“-Chef Striese entdeckt hat und zur Uraufführung bringen will. Gollwitz lässt sich überreden, will aber alles vor seiner Frau geheim halten. Diese kehrt überraschend früh von einer Reise zurück und kommt der Sache auf die Schliche. Schon der erste Blick auf das opulente Bühnenbild mit Grammofon, Schreibkommode und Spitzentischdecke (Mike Hahne) zeigt die Zeit um 1884, in der das Stück entstanden ist.

Die Inszenierung indes kommt als völlig überdrehter Schwank daher. An Bewegung und Geschrei mangelt es nicht, vor allem die Frauen sind der reinste Furienstadl. Katharina Thalbach glänzt mit ihren „Sabinscherinnen“ als schlitzohriger, wutentbrannter oder völlig am Boden zerstörter Striese, verleiht auch der Luise eine urkomische Gestalt.

Markus Völlenklee gibt einen etwas verlotterten Professor, Nellie Thalbach eine entzückend pfiffige Paula mit Riesenhaarschleife. Übertrieben herrisch und ständig gereizt zeigt sich das Mutter-Tochter-Gespann mit Sonja Hilberger und Nadine Schori. Umso größer das Mitgefühl für Richard Barenberg als Schwiegersohn Leopold. Exzellent besetzt sind die Rollen des aufgeweckten Dienstmädchens mit Wenka von Mikulicz und des flatterhaften Sterneck mit Ronny Miersch.