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Andreas Sarow
Andreas Sarow
28.10.2015

Der Streit um die Kunst im schwarzen Haus

Der ganze Aufwand war vergebens. Die vielen Sitzungen, Reden, Argumente: umsonst. Denn zu einer gemeinsamen Ausstellung der Pforzheimer Galerien in der „schwarzen Villa“ an der Friedenstraße wird es vorerst nicht kommen. Vor Monaten noch haben die Verantwortlichen Einheit demonstriert, wollten sich gegen das teils maue Kunstinteresse in Pforzheim verbünden – und mit einer Gemeinschaftsausstellung für Furore sorgen.

Die Plattform hätte kaum spannender sein können. Im Alleingang sorgte Galerist Andreas Sarow mit seiner „schwarzen Villa“ für großes Medieninteresse. Im sonst verschlossenen Inneren hätte die Ausstellung stattfinden sollen. Daraus wird nichts. Eine gemeinsame Schau wird es vielleicht irgendwann einmal geben, aber nicht in den nächsten Wochen und nicht in der „schwarzen Villa“. Nacheinander distanzieren sich die Galerien vom Projekt – erst das Kunsthaus 19/21, dann auch die Pforzheim Galerie, der Kunstverein, die Künstlergilde Buslat und die Galerie Brötzinger Art. Zu verschieden sind die Institutionen, zu schwierig die Organisation einer hochkarätigen Ausstellung in so kurzer Zeit – auch finanziell. „Wir sind als Verein organisiert und damit an die verabschiedeten Haushaltspläne gebunden“, sagt Andrea Schuhmacher von der Galerie Brötzinger Art. „Da sind spontane Ausgaben nicht so einfach möglich.“

Verschiedene Meinungen

Abseits dieser Argumente gibt es noch einen anderen Grund, einen viel gewichtigeren wahrscheinlich, der das Projekt scheitern lässt. Sarow und seine Kollegen sind zu verschieden. Sie denken anders über Kunst, sprechen anders über sie – und haben andere Ziele. Dort die etablierten Galeristen Pforzheims, die seit Jahren mit fundierten Ausstellungen einen kleinen Kreis der Interessierten ansprechen – hier der Immobilienhändler Sarow, der eine Galerie aus dem Boden stampft, mit der „schwarzen Villa“ für Aufruhr sorgt – und mit seiner jüngsten Ausstellungseröffnung in der Galerie auf der Wilferdinger Höhe rund 200 Besucher anlockt.

„Aus ganz Deutschland habe ich positives Feedback zur ,schwarzen Villa’ bekommen“, sagt Sarow. „Aber von meinen Kollegen habe ich den Sitzungen fast nur Vorbehalte gehört.“

Die „schwarze Villa“ ist das Grundproblem. Wie soll man die dunklen Räume mit einem Konzept erfüllen, das gleichzeitig hochkarätig ist, tragfähig – und dazu noch in kurzer Zeit realisiert werden kann? Und erdrückt nicht der laute Effekt der Villa jede Kunst im Inneren? Mancher Künstler denkt so – und will in der „schwarzen Villa“ partout nicht ausstellen.

Sarow ist enttäuscht von seinen Kollegen: „Ich dachte, die Ideen sprudeln. Aber die Vorschläge waren mager und blass.“ Nun will er dagegenhalten. Er plant die Ausstellung allein. Um gegen den Effekt seines eigenen Ausstellungsgebäudes anzukommen, setzt er auf die große Geste: „Was ich plane, muss zwar nicht unbedingt schrill und laut sein – aber einen Wow-Effekt wird es schon haben.“ Wie genau er diesen erreichen will, steht bis noch nicht fest – nur einen Zeitraum hat er schon ins Auge gefasst: Anfang Dezember will er die „schwarze Villa“ mit einer Ausstellung nach seinem Geschmack befüllen.

Doch zum Betreiben einer Galerie in einem Wohngebiet ist eine Sondergenehmigung der Stadt nötig. Den Antrag hat Sarow gestellt, nun wartet er auf die Bewilligung. Aber auch in einer anderen Sache steht eine Entscheidung an: Die Frage, ob Sarow für das Anstreichen der denkmalgeschützten Villa mit einem Bußgeld bestraft wird, ist noch offen. Er selbst ist zuversichtlich und glaubt an keine Strafe.

An eines aber glaubt er fest: den Erfolg seiner „schwarzen Villa“ und an die Kunst, die er dort zeigen will – auch wenn er ab jetzt ein Einzelkämpfer ist.