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Da Opernhaus in Stuttgart muss renoviert werden. Foto: Weißbrod
Da Opernhaus in Stuttgart muss renoviert werden. Foto: Weißbrod
15.07.2015

Der „große Wurf“ nimmt Gestalt an

Stuttgart. Die Schwaben wollen bei der Sanierung der Stuttgarter Oper unter allen Umständen ein Kostendesaster wie bei der Hamburger Elbphilharmonie vermeiden. Ob Ministerin Theresia Bauer (Grüne) ihr Versprechen halten kann, das renommierte Haus nicht zum Fass ohne Boden werden zu lassen? Der Verwaltungsrat der Stuttgarter Staatstheater jedenfalls hat erste Leitlinien für die Sanierung des Opernhauses verabschiedet.

Seitenwand versetzen

Ein Schwerpunkt des von der Kunstministerin gewünschten „großen Wurfes“ ist die verbesserte Funktionalität der Bühne in dem über 100 Jahre alten Bau. Sie sei nicht mehr „State of the Art“, sagte die Gremiums-Vorsitzende. „Wir dürfen dem Opernhaus Handlungsspielräume nicht verweigern.“ Um den Bühnenraum zu vergrößern und den Kulissenaufbau zu vereinfachen, müssten zum Landtag hin Teile der historischen Seitenwand versetzt werden. Insgesamt fehlen dem 1912 vom Max Littmann fertiggestellten Bau 10 000 Quadratmeter Fläche. Als „Hausnummer“ für der gesamte Sanierung nannte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) 300 bis 400 Millionen Euro, von denen Stadt und Land jeweils die Hälfte zahlen. Spekulationen über Kosten von bis zu 600 Millionen Euro wies er zurück. Bauer betonte, die Sanierung dürfe kein Fass ohne Boden werden. Kuhn erinnerte an die Kostenexplosion der Elbphilharmonie in Hamburg. „Das darf uns nicht passieren.“ Der Zeitrahmen für Planung und Arbeiten werde sieben bis neun Jahre umfassen. Überdies bestätigte der Verwaltungsrat einstimmig die von einer Findungskommission vorgeschlagene Ernennung von Tamas Detrich zum neuen Intendanten des Stuttgarter Balletts. Der bisherige Vize-Chef soll 2018 Reid Anderson nachfolgen. Der gebürtige New Yorker zeigte sich „überwältigt von Glücksgefühlen“.

Suche nach Interimsgebäude

Für ein Interimsgebäude während der drei- bis fünfjährigen Bauzeit soll der Vorschlag eines mehrstöckigen Komplexes auf dem Gelände des bisherigen Eckensees vor dem Opernhaus näher in Betracht gezogen werden. Das geschehe aber im Vergleich zu anderen Optionen, erläuterte Kuhn. „Da kann es keine Tabus geben.“ Eine Spielstätte außerhalb der Stadtgrenzen, etwa in Ludwigsburg, komme aber nicht infrage. Nach den Worten des Geschäftsführenden Intendanten der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, geht es auch darum, möglichst nahe an die derzeitige Kapazität von 1400 Plätzen zu kommen. Eine Reduzierung um nur 100 Plätze ziehe Einbußen von 900 000 Euro im Jahr nach sich. Julia Giertz