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Gemeinsam bringen die Musiker von Deep Purple über 340 Jahre Lebenserfahrung auf die Bühne. Foto: Talmon
17.06.2017

Der lange Abschied der älteren Herren von Deep Purple

Stuttgart. Der Gedanke ist despektierlich, aber irgendwie nicht zu vermeiden: Schnell noch ein – nicht gerade billiges – Konzertticket sichern, es könnte die letzte Gelegenheit sein, die Heroen des Rock auf einer Stuttgarter Bühne zu erleben. Und so greift der – häufig ebenfalls ältere – Fan gerne in den Geldbeutel, zumal er in den vergangenen Monaten dazu reichlich Gelegenheit hatte. Den Auftakt machten Pink Floyd, dann The Who, Kiss und jetzt Deep Purple. Jahrhunderte Rockgeschichte.

Bildergalerie: Abschiedskonzert von Deep Purple in Stuttgart

„The Long Goodbye Tour“ ist nicht nur der Titel, unter dem Deep Purple derzeit touren, sondern könnte als Motto für viele der Konzerte in der Schleyerhalle oder vor dem Stuttgarter Schloss dienen. Die über 70-Jährigen lassen es noch einmal krachen oder – wie aktuell – zumindest knistern.

Und während Kiss mit einem Best-of-Programm und jede Menge Pyrotechnik dem Publikum einheizte, gehen die Fünf um Gründungsmitglied Ian Pace den Abend etwas ruhiger an. Allerdings haben sie mit „Infinite“ ein aktuell gut laufendes Album anzubieten. Und das nutzen sie redlich. Gleich zum Auftakt gibt es „Time For Bedlam“. „Johnny’s Band“, „Birds Of Prey“ und „The Surprising“ kommen gut an, auch wenn die Stimmung in der nicht ganz ausverkauften Schleyerhalle wenig brodelt. Und alle eigentlich nur auf einen unvermeidlichen Titel warten. Doch bis Paice, Ian Gillan, Don Airey, Steve Morse und Roger Glover zu „Smoke On The Water“ kommen, gibt es ausreichend Gelegenheit, das musikalische Können dieser Fünf zu bewundern. Gillan ist besser bei Stimme als vor Jahren, Paice scheint den Schlaganfall überstanden zu haben und trommelt wie ein Junger, Morse liefert ein rasantes Gitarren-Solo nach dem anderen, Glover steuert einen satten Bass bei und Airey darf sich an Keyboard und Orgel bei einem ellenlangen Solo austoben – „Uff de schwäbsche Eisebahne“ inklusive.

Dazwischen gibt es immer mal wieder einen – allerdings eher lauwarmen – Anheizer: „Strange Kind Of Woman“ oder „Hell To Pay“. Zu mehr als freundlichem Mitklatschen kann sich das Publikum selten aufraffen. Das mag vielleicht auch an der ganz auf die Musik konzentrierten Show liegen: brave Lichteffekte, unspektakuläre Videoeinspielungen, sparsame Bewegungen beim Quintett.

Und dann geht es ganz schnell: die Altrocker lassen sich nicht lange bitten, zelebrieren als Zugabe „Hush“ und „Black Night“, ehe Ian Gillan sich freundlich vom Publikum verabschiedet: „We love you, take it easy“. Und so lässt sich auch bei Deep Purple trefflich spekulieren, ob es wirklich die letzte Konzertkarte war, die jetzt die heimische Pinnwand ziert.