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Schauspielerin Sandra Hüller (links) und Regisseurin Maren Ade sorgen in Cannes für Wirbel.  Horcajuelo
Schauspielerin Sandra Hüller (links) und Regisseurin Maren Ade sorgen in Cannes für Wirbel. Horcajuelo
16.05.2016

Deutsche Regisseurin Maren Ade ist Favoritin in Cannes

Cannes. So etwas hat es beim Filmfestival Cannes schon seit langer Zeit nicht mehr gegeben: Ein deutscher Film im Wettbewerb begeistert die internationalen Kritiker so sehr, dass sie sich vor Euphorie überschlagen. „Die muss etwas gewinnen“, ist immer wieder zu hören. Gemeint ist Maren Ade mit ihrem Film „Toni Erdmann“: ein kluges, berührendes und zugleich sehr komisches Werk über die Konflikte zwischen Eltern und Kindern, stark besetzt mit Sandra Hüller und Peter Simonischek

Damit gilt Ade nun als große Favoritin auf einen der Hauptpreise – und stellte am Wochenende selbst Stars wie Steven Spielberg, Ryan Gosling und Russell Crowe etwas in den Schatten.

„Toni Erdmann“ erzählt von Winfried und seiner Tochter Ines, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Winfried ist ein lebenslustiger Musiklehrer. Die kontrollierte Ines dagegen setzt sich als Unternehmensberaterin in der Männerwelt durch.

Als Winfrieds Hund stirbt, besucht er Ines kurzentschlossen bei ihrem aktuellen Projekt in Rumänien. Es kommt zum Eklat, Winfried reist ab und kommt als Toni Erdmann verkleidet wieder zurück – schiefe Zähne, zauselige Perücke, immer etwas zu laut. Doch genau diese überdrehte Kunstfigur schafft es, Ines die Augen zu öffnen: über ihr leeres Leben und groteske Verhaltensweisen der Businesswelt.

Überraschend ruhig und gerade dadurch kraftvoll erzählt dagegen Jeff Nichols sein Rassismusdrama „Loving“. Als der Weiße Richard (Joel Edgerton) im Amerika der 1950er-Jahre die Schwarze Mildred (Ruth Negga) heiratet, landen sie im Gefängnis. Regisseur Nichols deutet dabei Themen wie Rassismus und politische Unruhen nur an, fokussiert vielmehr auf die Liebe des Paares und berührt dadurch umso mehr. Damit bringt sich „Loving“ ebenfalls für eine der Auszeichnungen ins Gespräch – doch an „Toni Erdmann“ scheint bei der Preisvergabe am Sonntag bislang kein Weg vorbei zu führen. Aliki Nassoufis