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Die Verteilung der Dezernate im Rathaus in Pforzheim.
Die Verteilung der Dezernate im Rathaus in Pforzheim.
29.01.2016

Dezernat soll auf drei verschiedene Ressorts aufgeteilt werden

Es grummelt vernehmlich in Pforzheims Kulturbetrieb. Der Anlass: Der Gemeinderat soll am 16. Februar die Neuabgrenzung der Geschäftsbereiche der Beigeordneten abnicken. Was das mit Kultur zu tun hat? Ziemlich viel. Denn: Oberbürgermeister Gert Hager, seit Beginn seiner Tätigkeit in Pforzheim auch Kulturbürgermeister, gibt sein Steckenpferd ab. Allerdings nur in Teilen: Das Stadttheater bleibt weiterhin bei ihm im Dezernat eins, ins Dezernat drei von Sozial-, Sport- und Bildungsbürgermeisterin Monika Müller rutscht die Stadtbibliothek.

Und dem Bauamt, also Dezernat zwei, wird die Kultur zugeschlagen. Das wiederum will nicht allen Kulturschaffenden und Lokalpolitikern so richtig gut gefallen.

Eine Frage der Lobby

„Ich halte nichts davon, die Pforzheimer Kultur zu zerfleddern“, sagt FDP/FW-Fraktionschef Hans- Ulrich Rülke. Und: „Kulturpolitik muss aus einem Guss sein.“ Zudem zeichne sich ab, dass wenn ein Kulturträger exklusiv beim Oberbürgermeister verbleibe, dieser eine stärke Lobby als andere habe. Etwas anders sieht das CDU-Kulturausschuss-Mitglied Carsten von Zepelin: „Mit OB Hager als zuständigem Dezernenten weiß ich, was ich habe“, meint er nicht ganz uneigennützig als Vorsitzender des Theaterfördervereins. Allerdings: Obwohl die stellvertretende Kulturamtsleiterin Angelika Müller-Tischer nach dem Weggang von Kulturreferentin Isabel Greschat einen sehr guten Job mache, „brauchen wir in der Stadt ein laut und deutlich vernehmbares Kulturamt“.

Leidenschaftlicher Einsatz?

Grundsätzlich hält Kunstvereins-Leiterin Bettina Schönfelder die Aufteilung für eine „absurde Idee“. Da werde dann die bildende Kunst in der Stadt Teil der „übrigen“ Kultur, zumal eine neue Baudezernentin oder ein -Dezernent wohl so stark mit den Hauptanforderungen des Amts beschäftigt sei, „dass sie oder er sich nicht wirklich leidenschaftlich für die bildende Kunst und die Kultur einsetzen kann.“ SPD-Stadträtin Ellen Eberle sieht dies ähnlich: „Das muss dann schon ein besonderer Mensch sein, der hier im Juli sein neues Amt antritt, sonst schläft in Pforzheim – gerade was Veranstaltungen und Kulturfestivals angeht – einiges ein.“ Axel Baumbusch, als Stadtrat der Grünen Liste mit für die Neubesetzung von Dezernat zwei zuständig, sieht darin kein Problem: „Warum soll eine Baufachfrau nicht auch großes Verständnis für Kultur haben?“ Und er verspricht, dass die Soziokultur und kleinere kulturelle Träger „bei einem Dezernenten der Grünen Liste eine gute Heimat finden werden“. Allerdings kann auch er die Aufsplittung des Kulturdezernats nicht völlig nachvollziehen: Die Grüne Liste könne mitgehen, dass die Stadtbibliothek dem Dezernat drei angegliedert werde, zumal sie mit ihrer Ausrichtung stark dem Bildungsgedanken Rechnung trage. „Aber der OB hat entschieden, dass das Stadttheater bei ihm bleibt.“ Er hält es – gemeinsam mit Carsten von Zepelin – für eine gute Entscheidung, mit der erneuten Ausschreibung der Kulturamtsleiter-Stelle noch zu warten, bis die Dezernatsleitung im Juli installiert sei. „Auf die paar Monate kommt es jetzt auch nicht mehr an“, meint von Zepelin. Und Baumbusch hält eine Neuausrichtung der Kultur für erforderlich – „in Zeiten des Zuzugs und des demografischen Wandels“.

Kultur und Architektur passen

Lieber alles beim Alten behalten – was die Dezernatsverteilung angeht – möchte das Osterfeld. „Wir haben uns bei Gert Hager immer wohlgefühlt“, sagt Reinhard Kölmel, Vorsitzender des Kulturhauses. Und auch der neuen Leiterin Maria Ochs, wäre es wohler, „wenn alles in einer Hand bleibt. Das erleichtert das gemeinsame Auftreten“. Ulrike Rein, Vorsitzende des Pforzheimer Kulturrats, kann bei aller Sorge um die Zersplitterung der Kulturlandschaft dem Zuschlag zum Dezernat zwei Positives abgewinnen: „Es kann doch nur gut sein, wenn die Kultur dort Themen platziert, die sich auf die gestalterischen Pläne der Stadt auswirken. Architektur ist auch Kultur.“ Wobei sich für Sektionssprecher Raphael Mürle – „wir wurden von diesen Plänen bislang nicht informiert“ – auch die Frage stellt: „Was passiert, wenn wie in der vergangenen Kulturausschuss-Sitzung, Osterfeld, Stadttheater und Stadtbibliothek behandelt werden? Sitzen dann drei Dezernenten am Tisch?“ Diese Befürchtung kann Gert Hager schnell entkräften: „Wir haben uns geeinigt, dass der Baudezernent allein dafür zuständig ist.“