nach oben
27.10.2015

Dialog auf Trommeln und Tasten: „Drums and more“-Konzert im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. So richtig spielt das Publikum nicht mit. Den beiden Musikern Florian Ross und Holger Mertin soll es beim „Drums and more“-Konzert im Kulturhaus Osterfeld ein Stichwort geben, über das das Duo improvisieren wird. Aber das Publikum – bleibt stumm. Erst beim zweiten Anlauf klappt es: „Herbstnebel“ hat es als Motto gewählt. Und ausgesucht hat es ausgerechnet Ross’ Vater.

„Das haben wir vorher abgesprochen“, feixt Pianist Florian Ross. Die Aufforderung an die Zuhörer, den Musikern eine Vorgabe zu machen, kommt freilich nicht von ungefähr: Der in Olpe geborene Percussionist Mertin und der aus Pforzheim stammende Pianist Ross haben sich schließlich im Studio des Kulturhauses Osterfeld getroffen, um dort „aus der Atmosphäre heraus Musik entstehen zu lassen“, wie es in der Ankündigung heißt. Und dass es den beiden heute in Köln lebenden Musikern keinerlei Schwierigkeiten bereitet, nicht nur aufeinander zu reagieren, sondern auch im Wohlklang miteinander zu kommunizieren, das beweisen Mertin und Ross an diesem Abend meisterlich.

Wenige Zuschauer

Faszinierende Klangbilder unterschiedlichster Art zaubern die beiden Musiker über mehr als anderthalb Stunden hinweg in den bedauerlicherweise nur spärlich besetzten Raum. War das vorausgegangene „Drums and more“-Konzert, bei dem Holger Mertin mit Matthias Hautsch aufgetreten war, restlos ausverkauft, so sind diesmal nur rund zwei Dutzend Jazzfreunde ins Studio gekommen. Von denen aber dürfte es keiner bereut haben, den Weg auf sich genommen zu haben.

Schrille Elektro-Sounds

Ross und Mertin kreieren fast aus dem Nichts heraus Stücke, bei denen deutlich wird, mit welch großer Sensibilität es ihnen gelingt, die vom jeweiligen Gegenüber geschaffenen Klangbilder aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Da jagen mal schrill-schräge Elektronik-Sounds durch den Konzertsaal, die sich mit treibenden Schlägen vereinen; da schweben leichte und harmonische Pianoklänge, umschmeichelt von sanften Rhythmen, durch den Raum. Nur Augenblicke später folgt ein Kontrastprogramm, bei dem die von Ross und Mertin sonst handgemachte Musik mit Loops und Samples unterfüttert wird.

Dass die Musiker aus einem reichen musikalischen Fundus zu schöpfen vermögen, wird anhand verschiedener akustischer Zitate deutlich. Im zweiten Teil des Abends erlauben sich die Musiker sogar, „Blackbird“ von den Beatles zur Basis einer ihrer Klangcollagen zu machen.

Wunderbar, wie Florian Ross seinen Instrumenten ganz unterschiedliche Klangfacetten entlockt. Auch Mertin zeigt sich als umfassender Musiker – und wenn ihm der Ausdruck seiner eigenen Instrumente zu gering erscheint, erfindet er prompt ein neues – und entlockt mit Tritten und Schlägen dem Bühnenboden faszinierende Rhythmen.