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Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Jan Wagner schon 2015 – als er den Preis der Leipziger Buchmesse gewann. Foto: Kalaene
Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Jan Wagner schon 2015 – als er den Preis der Leipziger Buchmesse gewann. Foto: Kalaene
21.06.2017

Dichter Jan Wagner bekommt den Georg-Büchner-Preis

In seinen Gedichten beschäftigt sich Jan Wagner oft mit den unscheinbaren Dingen des Alltags, zum Beispiel einem Teebeutel oder einer Regentonne. Es war eine riesige Überraschung, als der Lyriker im Frühjahr 2015 im Kampf gegen vier Romanciers den Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse erhielt. Gut zwei Jahre später erscheint die höchste literarische Auszeichnung des Landes, der Georg-Büchner-Preis, fast schon folgerichtig für das Werk des Dichters.

In seinen Gedichten beschäftigt sich Jan Wagner oft mit den unscheinbaren Dingen des Alltags, zum Beispiel einem Teebeutel oder einer Regentonne. Es war eine riesige Überraschung, als der Lyriker im Frühjahr 2015 im Kampf gegen vier Romanciers den Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse erhielt. Gut zwei Jahre später erscheint die höchste literarische Auszeichnung des Landes, der Georg-Büchner-Preis, fast schon folgerichtig für das Werk des Dichters.

„Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz“, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gestern die hohe Auszeichnung. Was hinzukommt: Wagner ist mit seiner unangestrengt wirkenden Lyrik – auch wenn sie nicht immer einfach zu lesen ist – auch noch erfolgreich. Seine Gedichte sind inzwischen in fast 30 Sprachen übersetzt worden.

Seit Jahren erfolgreich

In der deutschen Lyrikszene war Wagner aber schon lange etabliert, bevor er in Leipzig mit seinem schmalen Band „Regentonnenvariationen“ den Durchbruch schaffte. Der gebürtige Hamburger hatte bereits 2001 seinen ersten Gedichtband „Probebohrungen im Himmel“ vorgelegt. Besonders in der Natur findet Wagner einen unerschöpflichen Vorrat für seine Wortakrobatik. Ein Gedicht in der Form eines Sonetts über den „Giersch“ – ein von Kleingärtnern wenig geliebtes Unkraut – wird zu einem Spiel mit Zischlauten über diese gierig-wuchernde Pflanze.

Der 45-Jährige ist beileibe nicht der erste Lyriker, der den Georg-Büchner-Preis erhält. In die Reihe gehören auch Jürgen Becker (2014), Oskar Pastior (2006) oder die große österreichische Lyrikerin Friederike Mayröcker (2001). Wagner steht aber für eine neue Generation von jungen Lyrikern, die sich in den vergangenen 15 Jahren ihren Raum geschaffen haben. Inzwischen gibt es Poesiefestivals in ganz Deutschland.

Für die jungen Lyriker ist das „spoken word“ – das gesprochene Wort – ein wichtiger Teil der Poesie. Wenn Wagner seinen „Giersch“ liest, ist da auch ein bisschen Performance dabei. Auch die aus den USA kommende Poetry Slam-Bewegung, für die der literarische Wettstreit vor dem Publikum unverzichtbar ist, hat ihren Anteil an diesem Aufschwung.

„Das Schöne, wenn man Gedichte schreibt, ist, dass man nie weiß, was einem als nächstes begegnet“, sagt Wagner. Ein Dichter müsse staunend mit offenen Augen durch die Welt gehen und deren Themenvielfalt entdecken, lautet seine Devise. „Man kann in einem Café sitzen und ein Glas Wasser trinken und sich angesichts des Glases Wasser sagen: Aber natürlich, das ist ein perfektes Thema für ein Gedicht.“

Wagner, der Anglistik unter anderem in Dublin studierte, ist von der angelsächsischen Lyrik beeinflusst. Walt Whitman kann er ganz nebenbei zitieren. Er ist also an einer großen Tradition geschult.

Allerdings ist der 45-Jährige, der seit Jahren in Berlin lebt, keineswegs nur Gedichteschreiber. Seine „beiläufige Prosa“ in Essaybänden wie „Die Sandale des Propheten“ (2011) oder jüngst „Der verschlossene Raum“ (2017) sind von der Kritik hochgelobt worden. Er habe nicht mit dem Schreiben von Gedichten begonnen, um ein gesichertes Einkommen zu haben, sagte Wagner einmal scherzhaft. Mit der Würdigung durch den Büchner-Preis, der zugleich mit 50 000 Euro verbunden ist, dürfte sich dieses Problem für den Lyriker zumindest für einige Zeit erledigt haben.