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Paul Schwer mit einer seiner vielfarbigen Plastiken in der Großen Halle.
Paul Schwer mit einer seiner vielfarbigen Plastiken in der Großen Halle.
Fantastisches Spiel von Licht, Farbe und Transparenz: die großen Bildmodule des Künstlers Paul Schwer in der Galerie zum Hof im Reuchlinhaus. Fotos: Moritz
Fantastisches Spiel von Licht, Farbe und Transparenz: die großen Bildmodule des Künstlers Paul Schwer in der Galerie zum Hof im Reuchlinhaus. Fotos: Moritz
Eindrucksvolle Raumwirkung: „Farblichtkästen“ des in Düsseldorf lebenden Schwer.
Eindrucksvolle Raumwirkung: „Farblichtkästen“ des in Düsseldorf lebenden Schwer.
03.05.2019

Die Ausstellung „Trockenbau-Twist“ wird im Kunstverein eröffnet

Pforzheim. Fantastische Formen und geometrische Strenge in Werken von Paul Schwer. Hängt da hinten ein Drachen? Oder vorne – ein knallrotes Sitzmöbel? „Ist das ein Motorroller?“, fragt Schwer scherzend. Denn seine Objekte aus PET-Platten sind rein abstrakt – und doch so vieldeutig. Und sie bringen die Große Halle des Reuchlinhauses zum Strahlen.

Denn wenn das Licht durch die großen Fenster auf die vielfarbigen Plastiken fällt, dann tanzen bunte Lichter durch den Raum. Wie bei Kirchenfenstern, die den gebürtigen Schonacher zu einer Arbeit inspiriert haben. „Ich stelle mir vor, wie sich die Fenster durch einen Windstoß aus ihrem Rahmen gelöst haben und in den Raum segeln“, schildert der 68-Jährige. Und so löst er die Formen in geometrische Teile auf, die er dann im Kunststoff festhält.

Wie das vor sich geht? Auf bis zu zwei mal drei Meter große Kunststoffplatten platziert Schwer mittels Siebdrucktechnik seine Motive – häufig von ihm mit der Kamera festgehalten. Er fügt Malerei hinzu, mal amorphe Formen, mal streng geometrische Muster. Die Platten werden dann in einem großen Ofen zum Schmelzen gebracht. „Bis sie fast flüssig sind“, beschreibt der Künstler den kurzen Moment, in dem es gilt, sie zu verformen – meist mit tatkräftiger Unterstützung. So lassen sich auf seinen Skulpturen dann beim genauen Betrachten eine Waldlichtung oder Gesichter entdecken.

„Ein Œuvre, das sich zwischen alle Stühle setzt“, sagt dazu Kunstvereins-Geschäftsführerin Bettina Schönfelder. Denn: Eigentlich ist Schwer Mediziner, der sich in den 1980er-Jahren entschloss, an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren – als Meisterschüler von Erwin Heerich. „Ein Maler, der bei einem Bildhauer in die Lehre ging“, erinnert sich Schwer. Und so fällt es Kunsthistorikern bei der Beschreibung seiner Ausstellungen auch heute noch schwer, ihn konkret einzuordnen: Installationskünstler, Bildhauer, Maler …

Doch Schwer zu greifen ist nicht leicht. Denn: Er kann auch anders. Mitten in den aus neun Metern Höhe schwebenden, häufig fast poetisch anmutenden Plastiken, kreuzt ein Lichtband den Raum. Spartanisch, fast abweisend aus Trockenbaublechen, Neonröhren und Kabeln, die zu Raumzeichnungen werden. Manchmal verirrt sich eine Neonröhre auch ins Innere einer Plastik: „Mehr Licht“, ist dabei das Ziel des Künstlers.

Welches großartige Lichtspiel seine bemalten und bedruckten PET-Platten erzielen können, ist in der Galerie zum Hof zu erleben: Dicht an dicht, teilweise überlappend sind sie entlang der großen Fensterfront gereiht. Das pure Augenvergnügen. Gegenüber im sonst leeren Raum sechs „Farblichtkästen“ – Rahmen aus Metallprofilen, Farbe aus Acryl oder Buttermilch auf Rigips, darüber Wellpolyester. Bildboxen, die mit dem Raum eine sehenswerte Symbiose eingehen: Mit dem Lichtspiel und dem Format der Oberlichtfenster, mit den polygonen Bodenplatten, die wiederum die Überleitung zu den geometrischen Linien der Bildmodule an den Fenstern bildet. Spannend, wie der 68-Jährige mit seiner Kunst international auf ganz unterschiedliche Räume eingeht und ihre Atmosphäre aufnimmt. Ein Gewinn für Pforzheims Architekturdenkmal.