nach oben
Der rote Teppich ist frisch verlegt. Alles am Berlinale-Palast ist bereitet für den heutigen Beginn des Festivals.  Kalaene
Der rote Teppich ist frisch verlegt. Alles am Berlinale-Palast ist bereitet für den heutigen Beginn des Festivals. Kalaene
11.02.2016

Die Berlinale beginnt: Die PZ zeigt Wege durch das Wirrwarr des großen Filmfestivals

Es ist soweit: Ab heute werden bei der Berlinale rund 400 Filme aus aller Welt gezeigt. Das Festival ist eine beinah unüberschaubare Mischung aus Kino, Starrummel und Geschäft. Neben ganz normalen Filmvorführungen – aber ohne Werbung und Popcorn – gibt es Premieren, Fragerunden mit Regisseuren, Partys, Workshops und Empfänge. Wer soll da noch durchblicken? Ein kleiner Leitfaden.

Für Anfänger: „Ein Berlinale-Besuch sollte auf jeden Fall geplant sein“, sagt das Festival selbst. Es gibt so viele Reihen und Sektionen im Angebot, vom Kinderfilm aus Neuseeland über die israelische Serie bis zum deutschen Kino aus dem Jahr 1966, dass es sich lohnt, das Programm zu studieren. Manchmal bekommt man auch beim Schlangestehen an der Festivalkasse Tipps. Karten – von vier bis 14 Euro – gibt es vorab etwa am Potsdamer Platz, im Internet oder mit Glück an den Tageskassen der Kinos. Wie kommen die Profis durch den Festival-Dschungel? Der Produzent Nico Hofmann war schon als Teenager bei der Berlinale. „Der Anfängerfehler ist, dass man zu viel will“, sagt er. Es helfe eine kluge Vorauswahl, welche Filme oder welche Stars einen interessieren. „Ich würde immer empfehlen, in Filme zu gehen, die man sonst nicht zu sehen bekommt: Arbeiten aus dem Ausland, die später nicht ins Kino kommen. Also zum Beispiel Filme aus Irak oder China statt Nicole-Kidman-Watching.“

Für Fortgeschrittene: Karten bekommt man fast immer, wenn man sich mit anderen Leuten zusammenschließt. Stars sieht man nicht nur im Wettbewerb, sondern auch in Nebenreihen wie im Panorama oder Forum. So wird Jury-Präsidentin Meryl Streep bei der Nachwuchssektion Talent Campus zu Gast sein.

Für junge Regisseure oder Schauspieler ist das Festival ein Pflichttermin, weiß auch Nachwuchsproduzent Sascha Supastrapong, der im Dezember einen „Berlinale Survival“-Kurs gab. „Ich würde niemals raten, bei der Berlinale ein Drehbuch in der Tasche zu haben“, sagt der 35-Jährige. Besser sollte man das Festival als Kontaktbörse nutzen. Und: Bloß kein „Elevator-Pitch“, also niemandem sein Projekt im Fahrstuhl verkaufen wollen. Der beste Weg sei, sich ein stabiles Netzwerk aufzubauen. Aber das sei mühsam – und dauere Jahre.

Und wenn ich im Getümmel Nico Hofmann sehe, den wohl wichtigsten Filmproduzenten Deutschlands? Ihm ein Drehbuch auf den Teller zu legen, ist keine gute Idee. „Ich gebe meinen Studenten den Ratschlag, das auf der Berlinale nicht zu machen. Dafür ist es zu hektisch“, sagt Hofmann. Man knüpfe viele Kontakte, aber über die Details rede man später, mit mehr Zeit und weniger durchlauferhitzter Stimmung.

Für schüchterne Menschen kann der Festival-Small-Talk anstrengend werden. Für viele Partys muss man auf der Gästeliste stehen, manche sind für jedermann offen. Manche sind schon nach der Eröffnungsgala verkatert. Traditionell erwischt viele nach ein paar Tagen die „Berlinale-Grippe“. Der Festival-Chef und geborene Pforzheimer Dieter Kosslick schützt sich mit Yoga sowie Hut und Schal gegen den Berliner Winter. Und der Schauspieler Armin Rohde pflegt zu sagen: „Geschlafen wird im Taxi!“