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Csárdásfürstin und Chansonnette Sylva Varescu (Franziska Tiedtke, Mitte) mit knallroter Abendrobe inmitten von Revue-Girls und Varieté-Tänzern.
Csárdásfürstin und Chansonnette Sylva Varescu (Franziska Tiedtke, Mitte) mit knallroter Abendrobe inmitten von Revue-Girls und Varieté-Tänzern. © haymann
14.12.2015

„Die Csárdásfürstin“ feiert Premiere am Pforzheimer Stadttheater

Pforzheim. Mit Tobias Maternas Inszenierung der „Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán feierte die oft totgesagte Gattung Operette am Pforzheimer Stadttheater fröhliche Urständ. Nach zögerlichem Beginn nahm die Premieren-Aufführung an Fahrt auf und entfaltete eine kurzweilige Gratwanderung zwischen erheiternder Komik und Operetten-seliger Melancholie.

Das musikantische Temperament war in der von Kapellmeister Mino Morani und seiner Badischen Philharmonie Pforzheim behutsam angelegten Ouvertüre, zu der die Mitglieder der Theaterchöre rechts und links auf die Bühne eintrudeln und in Statistenfunktion an Tischchen Platz nehmen, freilich noch nicht ausgeprägt. Gemächlich kam in der glitzernd-halbseidenen Pracht des Budapester „Orpheums“ (Ausstattung Christian Flören) das Karussell der heiratslustigen Liebespaare in Gang, das die Operetten-Handlung bestimmt.

Milieu-Atmosphäre

Chansonnette Sylva Varescu (Franziska Tiedtke), die in knallroter Abendrobe ihre vermeintliche Abschiedsvorstellung in besagtem Varieté gibt, mühte sich mit ihrem „O-la-la“-Auftrittslied das Csárdás-Feuer anzufachen. Und die zum Operetten-Schlager „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ eingestreuten Ballett-Divertissements sorgten für einschlägige Milieu-Atmosphäre: Revue-Girls spreizen ihre langen Beine, neckisch wackeln dazu in Rüschen-Höschen ihre Popöchen.

Nun funktioniert die süffige ungarisch-wienerische Melodien-Melange in vollen Zügen – dank der „Teufelsweib“-Nummer und der Mendelssohn zitierenden Hochzeitsmusik. Zu ihr zelebrieren Sylva und ihr junger adeliger Galan, der tenoral strahlende Edwin (Reto Rosin), zusammen mit den brillant auftretenden Chören und Feri Básci (Leandro Natalicio) als Maitre de Plaisir, ihre Jux-Hochzeit. Der von seinen dünkelhaften Eltern, die eine Verbindung ihres fürstlichen Sprösslings mit einer „Tingeltangelteuse“ ablehnen, nach Wien heimgerufene Edwin trifft dort auf seine Jugendfreundin Komtesse Stasi (Natasha Young), die munter singen und tanzen kann.

Lustvoll mimen Klaus Geber und Lilian Huynen das altersgebrechliche Fürstenpaar, das nun die Verlobung ihres Sohnes „mit der Stasi“ – einer der vielen anspielungsreich eingebauten Lacher – umständlich arrangiert. Mit bezwingender Operetten-Nostalgie gibt das junge Pärchen anscheinend glücklich sein berühmtes Duett zum Besten: „Machen wir’s den Schwalben nach“.

Doch alles kommt anders. Edwin findet zu Sylva zurück. Beide werden von Faktotum Leo (Spencer Mason) auf einem roten Sofa singend durch den Salon jongliert – ein delikater Regie-Einfall. Als Joker, beziehungsweise Ersatzliebhaber und Heiratskandidat für die zeitweise oder endgültig von Edwin geschassten Gespielinnen, wird Graf Boni eingesetzt.

Hinreißender Slapstick

In dieser Rolle als Schwerenöter kommt Johannes Strauß groß heraus. Er sorgt „gerührt und geschüttelt“ mit sprühendem Buffo-Charme für hinreißenden Slapstick und ist auch gut bei Stimme. Seine Idealbesetzung ist das Sahnehäubchen auf der schlussendlich begeisternden Produktion des Pforzheimer Musiktheaters.