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Begeisterung rufen die Body-Checks der Dummling-Brüder (Sergej Gößner, links und Alexandre Pierre) nur bei der Königin (Heidrun Schweda) hervor. Prinzessin (Konstanze Fischer) und König (Jörg Bruckschen) wundern sich über das Imponiergehabe.
Begeisterung rufen die Body-Checks der Dummling-Brüder (Sergej Gößner, links und Alexandre Pierre) nur bei der Königin (Heidrun Schweda) hervor. Prinzessin (Konstanze Fischer) und König (Jörg Bruckschen) wundern sich über das Imponiergehabe.
23.11.2016

„Die Goldene Gans“ nach den Gebrüdern Grimm hat im Theater Premiere

Warum kann Märchen nicht einfach Märchen sein? Warum muss es in Trump-Land spielen, mit der Dummling-Familie als White Trash, die sich verdreckt und speckig vor ihrem gammeligen Wohnwagen in die Wolle kriegt? Warum muss eine Königin so sexuell aufgeheizt sein, dass sie sich von ihren angeschmachteten Prinzen im Bett von der Bühne schieben lässt?

nd braucht es wirklich so viel Gewalt, dass sich die verwundeten Dummling-Brüder auch noch gegenseitig auf die durch Axthiebe blutenden Wunden schlagen? Und was vor allen Dingen hat das mit einer goldenen Gans zu tun? Das Theater Pforzheim spielt als Weihnachtsmärchen die bekannte Geschichte der Gebrüder Grimm. Nur ganz anders.

Country, Blues und Rap

Das Regieteam Tobias Goldfarb und Lisa Quarg macht aus dem Märchen eine Western-Story – samt glitzernder Kakteen und Las- Vegas-Schloss, mit Country-Musik, Rap und Blues. Und mit einer Geschichte, die sich darum dreht, wie sich zwei Träumer finden. Da spielt die Goldene Gans dann nur noch eine Nebenrolle: Sie bringt zwar die Prinzessin zum Lachen, aber eigentlich haben sie und der Dummling schon längst erkannt, dass sie zusammengehören. Der muss zuvor aber noch den Drachen töten – weil es die Königin so will. Da fällt den Regisseuren dann plötzlich Kasperle-Theater ein, wenn die Figur auf der Bühne nicht erkennt, dass der Drache im Hintergrund droht. Und da reagieren dann auch die Grundschul- und Kindergartenkinder, die sonst wenig zu lachen haben. Außer wenn die dummen Dummling-Brüder mal wieder gegen eine Wand laufen. Denn die Kinder werden – auch sprachlich – ziemlich ge- oder vielleicht auch überfordert. Denn welcher Fünfjährige weiß, was die Königin will, wenn sie von ihrer Tochter mehr „Contenance“ einfordert? Oder die Herrscherin ihrer Kleinen versichert: „Nichts bringt eine Frau so sehr zum Lächeln wie ein prall gefülltes Portemonnaie.“ Schön auch die Erkenntnis: „Ist dein Herz zu weich, wird es vom Leben zerquetscht.“ Was bitte sollen Fünfjährige damit anfangen? Sicher, Goldfarb und Quarg zielen mit ihrer Inszenierung auch auf erwachsene Zuschauer – doch die sind rar inmitten der Kinderschar.

Buntes Bühnenbild

Gespielt wird im quietschbunten, optisch sehr ansprechenden Bühnenbild von Ausstatterin Beata Kornatowska meist professionell, was von der Gesangsqualität und Textverständlichkeit eher weniger zu behaupten ist. Und neben einer hinreißenden Antonia Schirmeister als Dummling, Konstanze Fischer als willensstarker Prinzessin, Jörg Bruckschen als vertrottelt-verschlafener König und Heidrun Schweda als hüftschwingende, herrische Königin sind es die Casting-Show-Mitglieder, die für die eindimensionale Figurenzeichnung stehen: Sergej Gößner als Rocko Dummling, Prinz Manfred und Immobilienmakler, Alexandre Pierre als sein Bruder Django, Prinz Hasenstolz und Witzbold, Jasaman Roushanaei als Vater Dummling, Prinz Ricardo und Wirtstochter. Claudia Lang als Goldene Gans hat wenig zu melden, während Statist Rudi Lang als Wirt, Palastwache und Polizist in breitestem Pforzheimerisch parlieren darf.

Da kommt zumindest bei einigen Erzieherinnen an diesem Premierenmorgen wenig Freude auf: „Auf jeden Fall nichts für kleinere Kinder“ ist die Meinung gleich mehrerer Kindergärtnerinnen.

Peggy
23.11.2016
„Die Goldene Gans“ nach den Gebrüdern Grimm hat im Theater Premiere

Unsere Kinder sind schon bestraft über so einen Mist.Kein Wunder funktioniert es nicht mehr mit den Familien .Sex und Gewalt warum wird hier nicht eingegriffen? mehr...

Dr. Dolittle
23.11.2016
„Die Goldene Gans“ nach den Gebrüdern Grimm hat im Theater Premiere

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verbrennen, zerstückeln und morden sie noch heute... Im Ernst: manche klassischen Märchen und Kindergeschichten haben schon immer vor Gewaltätigkeit getrieft, aus vielen könnte man ohne weiteres einen 1A Horrorfilm drehen. Kann mich auch noch gut an die schwachsinnigen Geschichten vom Nachtkrabb erinnern, die mir als kleines Kind so manche schlaflose Nacht beschert haben. Anscheinend hat sich da früher niemand die Frage gestellt, ob sowas kindgerecht ...... mehr...