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Zusammen mit dem SWDKO unter Leitung von Timo Handschuh zeigt die Harfenistin Jana Boušková, was in ihrem Instrument steckt.  Tilo Keller
Zusammen mit dem SWDKO unter Leitung von Timo Handschuh zeigt die Harfenistin Jana Boušková, was in ihrem Instrument steckt. Tilo Keller
26.01.2016

Die Harfenistin Jana Boušková überzeugt beim Abo-Konzert des SWDKO

Kurzweilig und erfrischend war diese kleine Sinfonie D-Dur von Ignaz Holzbauer am Konzertbeginn. Drei Sätze, fröhliches Dur und dann – vorbei! Unter dem Titel „Genie im Überfluss“ bündelte das Programm des Südwestdeutschen Kammerorchesters (SWDKO) diesmal eher selten aufgeführte Werke aus dem 18. Jahrhundert.

Es war eine Geniezeit, die Zeit der genialen Einfälle! Und die kamen damals meist aus Mannheim. Dort, am Hof der pfälzischen Kurfürsten, entstanden jene Werke, die nicht mehr richtig nach Barock – aber auch noch nicht nach voll- endeter Klassik klangen. Ein bunter Orchesterklang wurde dort geboren und das SWDKO unter der Leitung seines Chefs Timo Handschuh verstand es prächtig, mit feiner dynamischer Ausgestaltung diese historischen Errungenschaften für unsere heutigen Ohren überzeugend zu interpretieren. Das galt auch für die Sinfonie A-Dur von Johann Stamitz sowie für das Divertimento D-Dur von Joseph Haydn.

Die Harfe im Mittelpunkt

Kaum war der letzte Takt der Holzbauer-Sinfonie verklungen, wurde auch schon das Instrument des Abends hereingerollt. Golden strahlte die Saitensäule in den Saal und Jana Boušková betrat die Bühne. Im himmelblauen Abendkleid und mit blondem Engelshaar erfüllte die tschechische Musikerin allein vom Anblick alle Klischees der zauberhaften Harfe.

Die Kleider ändern sich

In Georg Christoph Wagenseils Konzert in G-Dur für Harfe und Streicher gingen Jana Boušková und das begleitende Ensemble hervorragend miteinander. Alle Nuancen und Manieren des kurzweiligen Werks brachte Jana Boušková souverän zum Klingen. Ihr Spiel ist präzise, durchweg sensibel – und einfach nur wunderschön! Das war denn auch beim Harfenkonzert von Carl Ditters von Dittersdorf zu genießen. Begleitet vom optischen Leckerbissen, dass Jana Boušková nun nach der Konzertpause im zitronengelben Kleid musizierte. Das Klischee, dass uns Harfenistinnen verzaubern, erwies sich als wahr.

Dem SWDKO verbunden

Jana Boušková hat in ihrer künstlerischen Karriere alles erreicht, was sich an ihrem Instrument international erreichen lässt. Sie hat die wichtigsten Preise gewonnen, mit namhaften Musikern konzertiert, ist Soloharfenistin der Tschechischen Philharmonie und Professorin in Prag und Brüssel. Vor allem aber ist sie bodenständig geblieben und hat beispielsweise dem Südwestdeutschen Kammerorchester stets die Treue gehalten. Schon 1988 hatte sie eine CD mit den Pforzheimern gemacht – unter anderem mit dem Dittersdorf-Konzert. Ihre überwältigenden Spielqualitäten konnte die großartige Solistin erst in der Zugabe zeigen, eine Bearbeitung von Bedrich Smetanas Tondichtung „Die Moldau“. Die Harfe ist ein verhältnismäßig leises Instrument – obwohl sie so groß ist. Laut wird sie nur dann, wenn viele Saiten zugleich schwingen, wenn schnelle Harmonieteppiche gezupft werden. Die allerdings dürfen nicht verwaschen oder breiig klingen. Das ist die Kunst. Bei Jana Boušková kam das klar rüber. Da war jeder Wassertropfen der berühmten Tondichtung über den tschechischen Fluss zu hören. Dass die Klangwelten der Romantik eben so viel reicher und uns heute auch vertrauter sind, zeigte die weitere Zugabe: Zusammen mit dem Orchester gab es noch „Meditaion“ von Jules Massenet und anschießend sehr großen Applaus.