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Wilde Hommage an die Tschuktschen: die Choreografie „Chukchi“. Molnar
Wilde Hommage an die Tschuktschen: die Choreografie „Chukchi“. Molnar
10.03.2016

Die Jon Lehrer Dance Company sprühte Remchingen vor Kraft und Energie

Remchingen. Acht Tänzer – und doch scheint es, es stünden viel mehr auf der Bühne: Die Jon Lehrer Dance Company hat mit ihrem impulsiv-rasanten Auftritt in der ausverkauften Kulturhalle Remchingen alle Erwartungen übertroffen. Einige Zuschauer reißt es am Ende von den Stühlen, so begeistert sind sie von der Truppe aus New York.

Ihre besondere Stärke liegt in der athletisch starken Präsenz und Power der Tänzer. Und dies bezieht sich nicht nur auf das Physische, wie Choreograf Jon Lehrer im Gespräch verrät, sondern auch auf das Mentale, das Miteinander.

Perfekt aufeinander abgestimmt sind die Bewegungen; jede Drehung, jede Hebefigur, jeder Sprung sitzt im Detail. Dazu dieses enorme Tempo, dieses dynamisch-fließende Auf und Ab, dieses blitzschnelle Entstehen und Auflösen von scheinbar federleichten Figuren. Schon beim ersten Stück „Like A Dream In The Night“ ist das gut zu beobachten. Ganz in Weiß zaubern die Tänzer ein lebensbejahendes Bewegungsschauspiel zu mitreißender Musik auf die Bühne. „Awaking Dreams“ heißt das Programm, mit dem die 2007 gegründete Gruppe auf ihrer zweiten Europa-Tour ist. Es umfasst Solo-, Paar- und Ensembletänze, verbindet Stile wie Modern Dance, Hip-Hop, Ballett und Breakdance – und mischt auch immer eine Nuance Humor unter.

Besonders viel Ironie zeigt sich beim Tanz im Rhythmus des Pachelbel-Kanons: „Loose Canon“ nennt sich diese Choreografie, bei der fünf Tänzer mit lustigen Eskapaden durch einen Morgen schlafwandeln – gähnend, zitternd oder auch schmerzverzerrt. Überhaupt wirken beide Geschlechter ausgeglichen kraftvoll.

Eine besonders: Rachael Humphrey. Ihr energisches Solo „Rascal“, eine Mischung aus Ausdruckstanz und afrikanisch angehauchten Volkstanz mit herausforderndem Blick und ausgestreckter Zunge, hat etwas Erotisches und Archaisch-Aggressives.

Mit lebhaftem Tänzerblut fällt die dunkelhäutige Amerikanerin auch bei „Chukchi“ auf. Vier Jahre war der Choreograf bei den Tschuktschen in Russland, hat sich von den Ureinwohnern der Region Anadyr inspirieren lassen. Seine Hommage erinnert mal an wilde Indianertänze, mal an die stilisierte Bewegungssprache der Asiaten. Die beatboxartigen Urwaldgeräusche sowie hautengen, bemalten Kostüme der stampfenden Tänzer geben der beeindruckenden Choreografie ihren Schliff. Und wenn Jon Lehrer am Ende der Show noch mittanzt, sind endgültig alle im Tanzrausch.