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Das Werk „Stillleben mit ,Der Tanz’“ (1909) des französischen Künstlers Henri Matisse wird im Städel Museum aufgehängt. Foto: Dedert
12.09.2017

Die Künstlerfreunde Matisse und Bonnard begegnen sich im Städel

So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten waren, so stabil war ihre Freundschaft: Die Maler Henri Matisse und Pierre Bonnard waren fast gleich alt, Jahrgang 1869 der eine, der andere zwei Jahre älter. Sie wählten oft ähnliche Themen: Interieurs, Stillleben, Landschaften und Akte. Beide kehrten Paris den Rücken und zogen an die Cote d’Azur. Sie trafen und schrieben sich lebenslang und schätzen die Arbeit des jeweils anderen. Aber der eine war ein Salonlöwe und Selbstdarsteller, der andere lebte bescheiden und zurückgezogen. Im Frankfurter Städel-Museum treffen sie Jahrzehnte nach ihrem Tod wieder aufeinander.

Es lebe die Malerei!“ heißt die Ausstellung, die jetzt für Besucher geöffnet ist. Der Titel stammt von einer Postkarte, die Matisse 1925 seinem Freund schickte.

Bildergalerie: Henri Matisse und Pierre Bonnard im Frankfurter Städel

Bevor der Besucher zu den rund 120 Werken gelangt, die Kurator Felix Krämer auf zwei Etagen zusammengetragen hat, läuft er durch zwei Reihen von Schwarz-Weiß-Fotografien: rechts Matisse in einer üppig ausgestatteten Villa, links Bonnard vor stockfleckigen weißen Wänden. Die Aufnahmen stammen von dem Fotografen Henri Cartier-Bresson, der die beiden 1944 in Nizza und Cannes besucht und bei der Arbeit und im Alltag abgelichtet hatte.

Bonnard sah in Matisse „einen von allen überkommenen ästhetischen Konventionen befreiten Geist“. Matisse schrieb an Bonnard: „Ich müsste jemanden sehen, und Sie sind es, den ich sehen möchte.“

„Der Dialog zwischen den beiden war sehr eng. In der Ausstellung wollen wir diesen Künstlerdialog nachvollziehbar machen“, sagt Krämer. Die Kunstgeschichte rechne Bonnard (1867–1947) gern dem späten Impressionismus und damit dem 19. Jahrhundert, Matisse (1869-1954) als Vorboten des Expressionismus aber schon dem 20. Jahrhundert zu, „aber das ist einfach nicht richtig. Ohne Bonnard kein Matisse und ohne Matisse kein Bonnard“.

In der Woche vor der Eröffnung seiner letzten Frankfurter Ausstellung – Krämer wird neuer Generaldirektor am Museum Kunstpalast in Düsseldorf – beaufsichtigt er die Hängung eines der Hauptwerke, Matisses „Stillleben mit ,Der Tanz’“ von 1909. Es ist in vielerlei Hinsicht typisch, wie Co-Kurator Daniel Zamani erklärt. Matisse zitiert sich zum Beispiel gern selbst: In der linken oberen Ecke des Bildes, das im Zentrum einen Tisch mit Obst und Blumen zeigt, sieht man die untere Hälfte eines heute sehr bekannten Matisse-Werks, „Der Tanz“, das er kurz zuvor gemalt hatte. Typisch auch, „wie die Räumlichkeit fast verschwindet“: Das Tischtuch, das Bild im Hintergrund, das Fenster daneben sind fast abstrakte Farbflächen.

Besondere Höhepunkte sind zudem die beiden Gemälde, die die Künstler voneinander besaßen und die zum ersten Mal gemeinsam gezeigt werden: Pierre Bonnards „Abend im Wohnzimmer“ (1907) und Henri Matisse’ „Das offene Fenster“ (1911). Zum ersten Mal seit über 30 Jahren ist Matisse’ 1935 entstandenes Hauptwerk „Großer liegender Akt“ wieder in Deutschland zu sehen. Der längst zur Ikone gewordene Akt war ein Meilenstein auf dem Weg des Künstlers zu einer Ästhetik stark reduzierter Formen und stellt seine Atelierassistentin und zugleich sein letztes bedeutendes Modell, Lydia Delectorskaya, dar. Gut möglich, dass das Gemälde von Bonnards kompositorisch eng verwandtem Werk „Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund“ (um 1909) inspiriert wurde, das sich seit 1988 in der Sammlung des Städel Museums befindet.

Vortrag und Kunstfahrt

Die PZ veranstaltet einen Vortrag mit Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch über die Künstlerfreundschaft Matisse-Bonnard am Dienstag, 26. September, 19 Uhr, im PZ-Forum. Anmeldungen unter Telefon (0 72 31) 933-143. Die Fahrt nach Frankfurt ist für Samstag, 14. Oktober, geplant. Auskunft beim Pforzheimer Reisebüro unter Telefon (07231) 302-212.