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Ulrike-Anima Mathé (Violine I), Gerhard Voss (Violine II), Franziska Dürr (Viola), Zoltan Paulich (Violoncello) und Miki Hashimoto (Piano) zeigen eine faszinierende Interpretation von Brahms’ Klavierquintett.  Ketterl
Ulrike-Anima Mathé (Violine I), Gerhard Voss (Violine II), Franziska Dürr (Viola), Zoltan Paulich (Violoncello) und Miki Hashimoto (Piano) zeigen eine faszinierende Interpretation von Brahms’ Klavierquintett. Ketterl
17.12.2015

Die Musikgalerie Voss feiert ihr 25er-Jubiläum mit einem Kammerkonzert

Tiefenbronn-Mühlhausen. Es ist eine funktionierende Beziehung, die der Geiger Gerhard Voss seit 25 Jahren in den Wirtschaftsgebäuden des Mühlhausener Wasserschlosses führt. Und eine besondere noch dazu. Denn sein Gegenüber ist keine Person, sondern eine Konzertreihe. „Musikgalerie“ haben Voss und seine Ehefrau Brigitte Dürr-Voss diesen Ort getauft, organisieren in dem liebevoll restaurierten Gebäude Konzerte, die ein treues Publikum anziehen

Besonders zum aktuellen Jubiläumskonzert, das auf genau die Qualitäten verweist, die der Musikgalerie ihre Beliebtheit sichert: Programme, in deren Mitte die geistreichen Musik-Monumente des 19. Jahrhunderts stehen. Kammermusik, die nicht für nebenbei und nicht für den großen Konzertsaal komponiert ist – und die in ihrer Feinheit erst in der warmen und intimen Akustik der Musikgalerie zur Geltung kommt.

Ein gewaltiges Werk

Wie auch bei dem Hauptwerk, das sich das hauseigene Ensemble Galerie – Ulrike-Anima Mathé (Violine I), Gerhard Voss (Violine II), Franziska Dürr (Viola), Zoltan Paulich (Violoncello) und Miki Hashimoto (Piano) – für diesen Abend ausgesucht hat: Brahms’ Klavierquintett. Schon der energische Beginn des ersten Satzes gibt die Marschrichtung des gewaltigen Werks vor. Geschickt bindet Brahms verschiedenste musikalische Charaktere zusammen, erschafft ein Wechselbad der Gefühle – das sich aber doch aus den immer gleichen musikalischen Zellen entwickelt.

So lebt dieser Satz in jedem Augenblick vom lebhaft ausgetragenen Grundkonflikt zwischen Voll- und Auftaktigkeit. Diese Spannungssituation überträgt Brahms im zweiten Satz in die Gleichzeitigkeit. Im idyllischen Andante ist die synkopische Schicht des Klaviers mit dem stetigen Puls der restlichen Instrumente konfrontiert. Genial, wie der Komponist auch diesen Streit um die rhythmische Deutungshoheit zum Ausgangspunkt lebendiger Musik macht.

Dieses Herausstellen der Konstruktion ohne Verzicht auf den Gefühlsgehalt der Komposition gelingt dem Ensemble vorzüglich. Lediglich im dynamischen Bereich hätte man sich eine größere Differenzierung gewünscht; manche vom Komponisten geforderte strikte Lautstärke-Dämpfung bleibt im Halblauten stecken. Ein kleiner Wermutstropfen zu einem sonst ausgezeichneten Konzert.