Die NSU-Monologe: Unfassbar, beklemmend - „Bühne für Menschenrechte“ im Osterfeld

Pforzheim. Nie wird Ismael Yozgat den Tag Anfang April 2006 vergessen, an dem er seinen Sohn Halit tot auf dem Boden seines Internetcafés fand, in seinem eigenen Blut liegend, ermordet mit zwei Schüssen direkt in den Kopf. „Er ist in meinen Armen gestorben“, sagt Yozgat. Weil die Tat einen Tag vor seinem Geburtstag passiert sei, werde er diesen nie wieder feiern. Mit eigenen Händen habe er seinen Sohn ins Grab gelegt. Er wurde nur 21 Jahre alt.

Im Publikum müssen einige schwer schlucken. Es ist nicht leicht zu ertragen, was die Schauspieler der „Bühne für Menschenrechte“ am Donnerstagabend im Kulturhaus Osterfeld tun: Sie geben den Opfern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) eine Stimme, indem sie ihre Hinterbliebenen sprechen lassen. Was sie sagen, ist unfassbar, schockierend, beängstigend. Die szenische Lesung basiert auf Protokollen und auf Interviews, die die Bühne mit den Angehörigen der NSU-Opfer geführt hat. Dabei haben sie deren Aussagen eigenen Angaben zufolge gekürzt und verdichtet, aber nicht ergänzt oder anderweitig bearbeitet. Neben Yozgat kommen auch Adile Simsek und Elif Kubasik zu Wort. Sie schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht, geben einen Einblick in die Persönlichkeit der Menschen, die die rechtsextremen NSU-Täter kaltblütig und skrupellos ermordet haben – nur, weil sie Ausländer waren. Wenn die Schauspieler schildern, wie die Hinterbliebenen selbst in den Fokus der Ermittler geraten, wie sie auf der Straße schief angesehen werden und wie ihre Kinder Probleme in der Schule bekommen, ist das beklemmend. Und es wird noch schockierender. Als das Saallicht nach anderthalb Stunden wieder angeht, ist das Publikum still. Es dauert eine Weile, bis der Applaus einsetzt.