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Gefeiert – die Band Nightfly, die seit fast 30 Jahren existiert.  Roller
Gefeiert – die Band Nightfly, die seit fast 30 Jahren existiert. Roller
08.11.2016

Die Pforzheimer Band Nightfly begeistert im „Domicile“ mit sieben Musikern und zwei Sängerinnen

Klaustrophobiker müssen draußen bleiben. Gäbe es ein Schild mit dieser Aufschrift, dann hätte man es wohl am Sonntagabend vor dem Jazzclub „Domicile“ aufhängen müssen. Denn im Inneren waren alle Sitzplätze belegt, vor der Bühne gab es kaum ein Durchkommen, und auch sonst ging es ziemlich eng zu.

„Wenn das hier immer so voll wäre, dann müssten wir anbauen“, sagt Axel Klauschke lächelnd, nachdem er noch scherzend darauf hingewiesen hatte, wo sich die Sauerstoffmasken für den Notfall verbergen.

Der Grund für den großen Andrang sind sieben Herren mittleren Alters und zwei junge Damen. Das klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär, aber wenn sie zusammen auf der Bühne stehen und anfangen, gemeinsam Musik zu machen, dann wird einem einiges klar. Die Gruppe nennt sich Nightfly und ist in Pforzheim und Umgebung mindestens so bekannt wie ein bunter Hund. Seit fast 30 Jahren gibt es die Formation bereits, aber seither hat sich manches verändert. Mittlerweile sind ihre Auftritte ziemlich rar geworden. Einmal im Jahr spielen sie noch vor allem bekannte Songs, denen sie geschickt ihren eigenen musikalischen Stempel aufdrücken.

Ganz eigener Stil

Es ist alles andere als einfach, ihren Stil zu beschreiben, weil sich darin viele verschiedene Einflüsse mischen. Ihre Musik übernimmt zwar beim ersten Hinhören viele Elemente aus der Rockmusik: harte Elektrogitarrenriffs und ausgedehnte Schlagzeug-Soli. Aber auch der Jazz kommt nicht zu kurz, wenn die Musiker beispielsweise der inzwischen etwas angestaubten Motown-Nummer „The Tracks Of My Tears“ geschickt neuen Schwung verleihen, bevor bei „You Go To My Head“ die große Stunde von Bassist Tobias Mürle und den beiden Gitarristen Roland Meissner und Dieter Westerteicher schlägt, die ganz lässig für einen swingenden Klang sorgen. Letztgenannter kann übrigens auch prima singen und bekommt dafür prompt ein großes Lob von Sandie Wollasch und Ira Diehr aufgedrückt. Die müssen es wissen. Schließlich sind sie selbst begnadete Sängerinnen. Während Diehr mit ihrer erdigen Stimme insbesondere in den Balladen hervorragend Gefühle zu transportieren vermag, zeigt auch Wollasch immer wieder viel Hingabe bei der Intonation der Stücke.

Mit von der Partie ist auch Gründungsmitglied Michael Steiner, der nicht eins, nicht zwei, sondern gleich drei Saxofone im Gepäck hat. Aber nicht etwa, um damit anzugeben, sondern um darauf zu spielen – kraftvoll und mit viel Leidenschaft. Man sah den Mitgliedern von Nightfly an diesem Abend einfach an, dass sie gerne zusammen Musik machen. Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum immer wieder tosenden Beifall spendet. Ein fulminanter Konzertabend.