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Optisch die Alten: Kiss mit Gene Simmons, Tommy Thayer, Paul Stanley (von links) und Eric Singer (im Hintergrund). Foto: Talmon
Optisch die Alten: Kiss mit Gene Simmons, Tommy Thayer, Paul Stanley (von links) und Eric Singer (im Hintergrund). Foto: Talmon
16.05.2017

Die Schminke sitzt: Kiss liefern fulminante Show

Stuttgart. Die „Greatest Show on Earth“ ist es vielleicht nicht, aber eine, die die rund 12 500 Zuschauer in Beinahe-Ektase versetzt: Kiss sind on Tour – und bieten alles auf, was man an den Rockern seit über vier Jahrzehnten schätzt.

Kreischende Gitarren, kiloschwere Kostüme, himmelhohe Plateauschuhe, jede Menge Kunstblut und Sex, Sex, Sex. Das könnte, angesichts des Alters, in die Hosen gehen – aber Paul Stanley (65), Gene Simmons (67), Tommy Thayer (56) und Eric Singer (59) belehren mit ihre Show in der Stuttgarter Schleyerhalle alle Zweifler eines Besseren.

Auch wenn sich unter der dicken schwarz-weißen Bemalung die eine oder andere Falte erspähen lässt, das Quartett strotzt vor Spielfreude. Und Stanley hopst über die Bühne, als ob es kein Morgen gäbe. Die Stimmprobleme scheinen weitgehend überwunden, und so kreischt und brüllt er ins Mikrofon, dass die Tausende Fans gar keine andere Chance haben als „Yeah, Yeah“ zurückzubrüllen. Fast in Reichweite ist sein immer noch vorhandenes Sixpack dann beim Ritt über die Köpfe der Menge, um alle auf seiner Mini-Bühne in den „Psycho Circus“ mitzunehmen.

Da kann der Rest der Band nicht nachstehen: Singer fährt samt Schlagzeug munter auf dem Hubboden rauf und runter, Bassist Simmons spuckt bei „Firehouse“ natürlich Feuer und lässt bei „God of Thunder“ in luftiger Höhe das Kunstblut nur so aus dem Mund spritzen. Thayer Gitarre feuert Raketen ab, die inmitten der gigantischen Böllerlei und dem fetten Konfettiregen, fast schon unter ferner liefen spielen.

Beinahe vergessen: Es gibt auch Musik, laut, rockig, Hit an Hit. „Deuce“, „Lick It Up“, „War Machine“, Black Diamond“, „Rock ‚n’ Roll All Night“, „I Was Made For Lovin’ You“, „Detroid Rock City“ und, und, und. 90 Minuten Spaß pur und die Erkenntnis: Kiss sind noch meilenweit entfernt von einem ihrer Merchandise-Artikel, dem „Kiss Kasket“, einem Sarg, der bis zum Tod seines Besitzers übergangsweise als Kühlschrank einsetzbar ist. Sandra Pfäfflin