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Fero Freymark steht in seiner Skulptur „Eingespannt“.
Fero Freymark steht in seiner Skulptur „Eingespannt“.
12.10.2017

Die Skulptur „Eingespannt“ von Fero Freymark steht jetzt vor dem Hohenwart Forum

Pforzheim-Hohenwart. Es ist ein bewegender Tag für Fero Freymark: Nach zehn Jahren im städtischen Lager hat seine Skulptur „Eingespannt“ endlich einen neuen Platz gefunden – und einen neuen Kontext.

Doch beginnen wir von vorne: Im Jahr 2000 entsteht die Skulptur für das Bildhauersymposium in Velbert-Langenberg. Freymark hat sich dazu intensiv mit der Geschichte des Orts auseinandergesetzt. Als ehemals reiche Seidenstadt gab es eine große jüdische Gemeinde, einen jüdischen Friedhof – bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Die zwei Meter hohe Plastik aus Cortenstahl nimmt dieses Thema auf: Sie zeigt den Umriss eines Menschen, umgeben von hohen Wänden – die ihn erdrücken, bedrücken, einspannen, ihm andererseits eine schützende Hülle verleihen. Es ist aber auch der Blick eines Menschen durch die Waggontüren vor dem Abtransport ins KZ – aufrecht, offen, ungebrochen.

Im Jahr 2001 ist das Werk dann bei der „Kunst im Stadtbild“ in Pforzheim zu sehen, und die Bezüge zur Goldstadt sind offensichtlich: „Ersetzen Sie den Begriff Seide einfach durch Schmuck“, sagt Freymark. Sechs Jahre lang hat die Skulptur den „optimalen Standort“ vor der Nordfassade der evangelischen Stadtkirche. „Ich war ins Herz getroffen“, schildert der Künstler, als sein Werk den angestammten Platz verlassen musste – zugunsten des „World War II Memorials“ von Peter Jacobi. Doch jetzt ist Fero Freymark glücklich: „Eingespannt“ steht seit kurzem vor dem Hohenwart Forum. An einem Ort der Begegnung und mit Raum zum Atmen. Der Blick schweift durch die Figur hindurch ins Grüne, der Betrachter kann zwischen die Stahlplatten treten, „eine direkte haptische Beziehung aufnehmen“, sagt der Bildhauer und Architekt. Und: Die Skulptur erlebt eine neue inhaltliche Dimension. Von der Erinnerungskultur führt sie hin zur Gegenwart, außer der politischen und gesellschaftlichen Relevanz kann sie auch eine ganz private Bedeutungsebene erlangen. Denn das Hohenwart Forum mit seinen Seminaren und Vorträgen ist auch ein Ort, wo sich Besucher bewusst damit beschäftigen, wie man mit angespannten Situationen, mit Momenten der Angst umgeht. Und so ist die Skulptur nach 17 Jahren angekommen – an ihrem vielleicht vorbestimmten Platz.