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Buch-Domino-Weltrekord in Frankfurt geglückt: Patrick Sinner (links) und sein Team posieren auf der Buchmesse mit den 10 200 umgefallenen Ausgaben des Guinnessbuchs der Rekorde.  Dedert
Buch-Domino-Weltrekord in Frankfurt geglückt: Patrick Sinner (links) und sein Team posieren auf der Buchmesse mit den 10 200 umgefallenen Ausgaben des Guinnessbuchs der Rekorde. Dedert
15.10.2015

„Die Welt ist in Aufruhr“

Frankfurt. Herausgefordert vom digitalen Wandel, einer rückläufigen Leserschaft und neuen Bedrohungen für das freie Wort trifft sich die internationale Buchbranche seit gestern auf der 67. Frankfurter Buchmesse. Auch das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig.

„Die Welt ist in Aufruhr“, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei der Eröffnung. In Europa werde das sichtbar in Hunderttausenden Flüchtlingen. In Diskussionen ging es gestern um Kulturarbeit in Flüchtlingslagern ebenso wie um die Willkommenskultur in Deutschland.

„Unsere Aufgabe ist es nicht, alles zu tolerieren, aber unsere Aufgabe könnte es sein, Toleranz zu vermitteln. Bücher leisten dafür einen zentralen Beitrag“, sagte Riethmüller. „Literatur bereitet in ihrer Vielfalt den Boden für die nötige und notwendige Toleranz.“

Die Zahl der Leser in Deutschland ist nach einer Untersuchung des Börsenvereins leicht rückläufig. Demnach lesen 83 Prozent der Deutschen Bücher – die Zahl sei damit innerhalb von sieben Jahren um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Die Zahl der Buchkäufer stieg dagegen im genannten Zeitraum leicht von 57 auf 59 Prozent. Lesen ist eindeutig eine Domäne der Frauen: 63 Prozent haben im vergangenen Jahr mindestens ein Buch gekauft, aber nur 54 Prozent der Männer. Gelesen wird zu 79 Prozent zur Unterhaltung, aus Vergnügen oder Passion.

Auf dem Markt der Self-Publi-sher – Autoren, die ihre Bücher ohne Verlag veröffentlichen – wird der Kampf härter. Problematisch für die Szene sei, „dass der Kuchen nicht größer wird“, sagte Johannes Monse von Ruckzuckbuch, der für das Veranstaltungsprogramm in der Self-Publishing-Area der Buchmesse verantwortlich ist. Die Zahl der Leser wachse lange nicht so stark wie die der Autoren. Self-Publisher seien im Mainstream angekommen. Neben den klassischen Genres Erotik und Fantasy etablieren sich weitere Themenfelder. „Sachbuchtitel nehmen rasant zu“, sagte Monse.

Stephan Maurer